Resurrectio
1914Flut, die in Nebeln steigt. Flut, die versinkt.
O Glück: das große Wasser, das mein Leben überschwemmte, sinkt, ertrinkt.
Schon wollen Hügel vor. Schon bricht gesänftigt aus geklärten Strudeln Fels und Land.
Bald wehen Birkenwimpel über windgesträhltem Strand.
O langes Dunkel. Stumme Fahrten zwischen Wolke, Nacht und Meer.
Nun wird die Erde neu. Nun gibt der Himmel aller Formen zarten Umriß her.
Herzlicht von Sonne, das sich noch auf gelben Wellen bäumt –
Bald kommt die Stunde, wo dein Gold in grünen Frühlingsmulden schäumt –
Schon tanzt im Feuerbogen, den der Morgen übern Himmel schlägt,
Die Taube, die im Mund das Ölblatt der Verheißung trägt.
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Interpretation
Das Gedicht "Resurrectio" von Ernst Stadler beschreibt eine metaphorische Flut, die das Leben des lyrischen Ichs überflutet und dann wieder zurückgeht. Die Flut symbolisiert eine dunkle, bedrückende Zeit, aus der das Ich nun langsam wieder auftaucht. Mit dem Zurückweichen des Wassers werden Land und Vegetation wieder sichtbar, was für einen Neuanfang und eine Wiederauferstehung steht. Das Gedicht verwendet viele Bilder aus der Natur, um den Übergang von Dunkelheit zu Licht, von Tod zu Leben zu beschreiben. Die Birken, die Sonne, die Taube mit dem Ölzweig sind allesamt Symbole für Hoffnung, Erneuerung und einen Neuanfang. Das Gedicht endet mit der Ankündigung einer neuen Zeit des Wachstums und der Fruchtbarkeit. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine sehr positive und hoffnungsvolle Stimmung. Es beschreibt einen Prozess des Überwindens von Schwierigkeiten und des Neuanfangs nach einer dunklen Zeit. Die Sprache ist sehr bildhaft und poetisch, was die emotionale Wirkung des Gedichts verstärkt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Die Taube, die im Mund das Ölblatt der Verheißung trägt
- Metapher
- Bald kommt die Stunde, wo dein Gold in grünen Frühlingsmulden schäumt
- Personifikation
- Hügel vor. Schon bricht gesänftigt aus geklärten Strudeln Fels und Land.