Resignation
1894Es gibt noch Leute, die sich quälen, Aus denen sich die Frage ringt: Wie wird der Deutsche nächstens wählen? Wie wird das, was die Urne bringt?
Die Guten! Wie sie immer hoffen! Wie macht sie doch ein jedesmal Der Ausfall neuerdings betroffen! Als wär′ er anders, wie normal!
Wir wissen doch von Adam Riese, Daß zwei mal zwei gleich vieren zählt. Und eine Wahrheit fest wie diese Ist, daß man immer Schwarze wählt.
Das Faktum läßt sich nicht bestreiten, Auch wenn es noch so bitter schmeckt. Doch hat das Übel gute Seiten: Es ruhet nicht auf Intellekt.
Man muß die Sache recht verstehen; Sie ist nicht böse, ist nicht gut. Der Deutsche will zur Urne gehen, So wie man das Gewohnte tut.
Wer hofft, daß es noch anders würde, Der täuscht sich hier, wie überall. Die Schafe suchen ihre Hürde, Das Rindvieh suchet seinen Stall.
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Interpretation
Das Gedicht "Resignation" von Ludwig Thoma ist eine zynische Betrachtung des Wahlverhaltens der Deutschen. Thoma beschreibt, wie einige Menschen sich weiterhin die Frage stellen, wie die Deutschen wählen werden und was das Wahlergebnis bringen wird. Er verspottet die "Guten", die immer noch hoffen und jedes Mal enttäuscht sind, wenn die Wahl anders ausfällt als erwartet. Für Thoma ist es offensichtlich, dass die Deutschen immer "Schwarze" wählen werden, also konservative oder rechte Parteien. Thoma stellt die Resignation als einzige rationale Reaktion auf dieses Wahlergebnis dar. Er argumentiert, dass das Wählen der "Schwarzen" ein Faktum ist, das nicht bestritten werden kann, auch wenn es bitter schmeckt. Das Gedicht deutet an, dass das deutsche Wahlverhalten nicht auf Intellekt oder rationaler Überlegung beruht, sondern auf Gewohnheit und Tradition. Thoma vergleicht die Deutschen mit Schafen, die immer zu ihrer gewohnten Hürde zurückkehren, und mit Rindvieh, das immer in seinen Stall zurückkehrt. Die Resignation in diesem Gedicht ist also nicht als persönliche Niederlage zu verstehen, sondern als realistische Einschätzung der politischen Lage. Thoma fordert seine Leser auf, die Realität anzuerkennen und sich nicht mehr von falschen Hoffnungen täuschen zu lassen. Das Gedicht ist eine Kritik an der politischen Passivität und dem Mangel an Veränderungswillen in der deutschen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Die Guten! Wie sie immer hoffen! Wie macht sie doch ein jedesmal Der Ausfall neuerdings betroffen!
- Ironie
- Wir wissen doch von Adam Riese, Daß zwei mal zwei gleich vieren zählt. Und eine Wahrheit fest wie diese Ist, daß man immer Schwarze wählt.
- Metapher
- Die Schafe suchen ihre Hürde, Das Rindvieh suchet seinen Stall.
- Personifikation
- Wie wird der Deutsche nächstens wählen? Wie wird das, was die Urne bringt?