Rendezvous
1947Ich bin verdammt zu warten in einem Bürgergarten auf das geliebte Weib. Nun sitz ich hier als Beute gewissenloser Leute mit breitem Unterleib. Sie sind so froh beim Biere, bald zwei, bald drei, bald viere - und reden vom Geschäft. Die Gattin spricht vom Hause, die Töchter trinken Brause, und Flock, das Hündchen, kläfft. Die Kellnerinnen schwirren. Die Tischgeschirre klirren. Der Himmel scheint so blau. Wie süß ist’s doch, zu warten in einem Bürgergarten auf die geliebte Frau.
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Interpretation
Das Gedicht "Rendezvous" von Erich Kurt Mühsam beschreibt die Situation eines Mannes, der in einem bürgerlichen Garten auf seine Geliebte wartet. Die Ironie des Gedichts liegt darin, dass der Mann, obwohl er auf ein romantisches Treffen wartet, von den umgebenden bürgerlichen Menschen und deren alltäglichen Aktivitäten umgeben ist. Er fühlt sich wie "Beute gewissenloser Leute" und ist von ihrer Fröhlichkeit und ihren Gesprächen über Bier und Geschäfte umgeben. Die Beschreibung der Umgebung und der Menschen im Garten schafft einen Kontrast zwischen der romantischen Erwartung des Mannes und der banalen Realität um ihn herum. Die Gatten sprechen über das Haus, die Töchter trinken Brause und das Hündchen kläfft. Die Kellnerinnen schwirren herum und das Geschirr klirrt. All diese Details unterstreichen die alltägliche Atmosphäre des Gartens, die im Gegensatz zu der romantischen Erwartung des Mannes steht. Das Gedicht endet mit einer ironischen Wendung, als der Mann sagt: "Wie süß ist's doch, zu warten in einem Bürgergarten auf die geliebte Frau." Diese Aussage ist sarkastisch und zeigt, dass der Mann die Situation als unangenehm empfindet. Er wartet nicht nur auf seine Geliebte, sondern auch darauf, dass das Treffen beginnt und er der bürgerlichen Umgebung entkommen kann. Das Gedicht verdeutlicht die Diskrepanz zwischen romantischen Erwartungen und der Realität des Alltags.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildlichkeit
- Sie sind so froh beim Biere, / bald zwei, bald drei, bald viere - / und reden vom Geschäft.
- Gegenüberstellung
- Die Gattin spricht vom Hause, / die Töchter trinken Brause, / und Flock, das Hündchen, kläfft.
- Ironie
- Ich bin verdammt zu warten / in einem Bürgergarten / auf das geliebte Weib.
- Kontrast
- Nun sitz ich hier als Beute / gewissenloser Leute / mit breitem Unterleib.
- Personifikation
- Die Kellnerinnen schwirren. / Die Tischgeschirre klirren.
- Wiederholung
- in einem Bürgergarten / auf die geliebte Frau.