Reiters Morgenlied
1802Morgenrot! Leuchtest mir zum frühen Tod? Bald wird die Trompete blasen, Dann muß ich mein Leben lassen, Ich und mancher Kamerad!
Kaum gedacht, War der Lust ein End gemacht! Gestern noch auf stolzen Rossen, Heute durch die Brust geschossen, Morgen in das kühle Grab.
Doch! wie bald Welket Schönheit und Gestalt! Prangst du gleich, mit deinen Wangen, Die wie Milch und Purpur prangen, Ach! die Rosen welken all.
Und was ist Aller Mannsbild Freud und Lust? Unter Kummer, unter Sorgen Sich bemühen früh am Morgen, Bis der Tag vorüber ist.
Darum still Füg ich mich, wie Gott es will, Und so will ich wacker streiten, Und sollt ich den Tod erleiden, Stirbt ein braver Reitersmann.
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Interpretation
Das Gedicht "Reiters Morgenlied" von Wilhelm Hauff beschreibt die Reflexion eines Reiters über die Vergänglichkeit des Lebens und die Unausweichlichkeit des Todes. Der Reiter erwacht bei Morgengrauen und wird von der Schönheit des Sonnenaufgangs in Kontrast zu seiner bevorstehenden Gefahr gestellt. Die Trompete kündigt den bevorstehenden Kampf an, in dem er sein Leben lassen muss, zusammen mit vielen seiner Kameraden. Die Freude und das Stolzgefühl von gestern, als er noch auf seinem stolzen Pferd ritt, werden durch die Realität des Krieges ersetzt, wo er heute getroffen wird und morgen im kühlen Grab liegen wird. Das Gedicht reflektiert über die Vergänglichkeit von Schönheit und Jugend. Der Reiter erkennt, dass selbst die strahlendsten Wangen, die wie Milch und Purpur leuchten, dem Verfall geweiht sind, und die Rosen welken werden. Diese Erkenntnis erstreckt sich auch auf die Freuden und Vergnügungen des Lebens, die von Sorgen und Kummer überschattet werden. Der Reiter beschreibt, wie Menschen sich von früh bis spät bemühen, nur um den Tag zu überstehen, ohne wahre Erfüllung zu finden. Am Ende des Gedichts zeigt der Reiter eine Haltung der Akzeptanz und des Mutes. Er fügt sich in den Willen Gottes und beschließt, tapfer zu kämpfen, selbst wenn er den Tod erleiden sollte. Der Tod eines tapferen Reiters wird als ehrenvolles Ende dargestellt, das seinen Mut und seine Entschlossenheit unterstreicht. Das Gedicht vermittelt somit eine Botschaft der Standhaftigkeit und des Akzeptierens des Schicksals, selbst inmitten der Unausweichlichkeit des Todes.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Trompete blasen
- Hyperbel
- Aller Mannsbild Freud und Lust
- Kontrast
- Kaum gedacht, War der Lust ein End gemacht! Gestern noch auf stolzen Rossen, Heute durch die Brust geschossen
- Metapher
- stirbt ein braver Reitersmann
- Personifikation
- Morgenrot! Leuchtest mir zum frühen Tod?