Reiterlied

Georg Herwegh

1817

Die bange Nacht ist nun herum, Wir reiten still, wir reiten stumm Und reiten ins Verderben. Wie weht so scharf der Morgenwind! Frau Wirtin, noch ein Glas geschwind Vorm Sterben, vorm Sterben. Du junges Gras, was stehst so grün? Musst bald wie lauter Röslein blühn, Mein Blut ja soll dich färben. Den ersten Schluck, ans Schwert die Hand, Den trink ich, für das Vaterland Zu sterben, zu sterben. Und schnell den zweiten hinterdrein, Und der soll für die Freiheit sein, Der zweite Schluck vom Herben! Dies Restchen - nun, wem bring ich’s gleich? Dies Restchen dir, o Römisch Reich, Zum Sterben, zum Sterben! Dem Liebchen - doch das Glas ist leer, Die Kugel saust, es blitzt der Speer; Bringt meinem Kind die Scherben! Auf! in den Feind wie Wetterschlag! O Reiterlust, am frühen Tag Zu sterben, zu sterben!

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Illustration zu Reiterlied

Interpretation

Das Gedicht "Reiterlied" von Georg Herwegh thematisiert den Abschied einer Gruppe von Reitern von einem Wirtshaus, bevor sie in den Kampf ziehen. Die Nacht ist vorüber, und die Reiter brechen still und stumm auf, um ins Verderben zu reiten. Der Morgenwind weht scharf, und die Reiter bitten die Wirtin um ein letztes Glas, bevor sie sterben. Die Reiter reflektieren über die Vergänglichkeit des Lebens, symbolisiert durch das junge Gras, das bald rot vom Blut der Kämpfenden blühen wird. Sie trinken auf das Vaterland und die Freiheit, bevor sie das letzte Restchen dem Römischen Reich widmen. Das Glas für die Liebste bleibt leer, da die Kugel saust und der Speer blitzt. Die Reiter fordern sich selbst auf, mutig in den Feind zu reiten und am frühen Tag zu sterben.

Schlüsselwörter

sterben reiten glas vorm soll schluck restchen bange

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Wie weht so scharf der Morgenwind!
Allusion
O Römisch Reich
Anapher
Wir reiten still, wir reiten stumm / Und reiten ins Verderben.
Apostrophe
O Reiterlust, am frühen Tag
Bildlichkeit
Und schnell den zweiten hinterdrein
Hyperbel
Mein Blut ja soll dich färben.
Metapher
Frau Wirtin, noch ein Glas geschwind
Metonymie
Dem Liebchen – doch das Glas ist leer
Onomatopoesie
Die Kugel saust, es blitzt der Speer
Parallelismus
Zum Sterben, zum Sterben!
Personifikation
Du junges Gras, was stehst so grün?
Symbolik
Den ersten Schluck, ans Schwert die Hand