Reiter-Weckruf

Friedrich Theodor Vischer

1807

»Ist’s nicht genug geruht? Ist’s nicht genug geruht? Auf! Auf! Auf, frisches Reiterblut! Denkt euch, der Feind sei da! Auf, auf! Ja! ja!«

So thut es, so klingt es, So schmettert’s, so singt es, So stößt es und fährt durch den Nebelduft Hinaus in die Morgenluft. Trompetenruf, Trompetenstoß! O, gieng’ es los, o, gieng’ es los! Auf den Feind hinein In gedrängten Reih’n! Marsch! Marsch! und eingehauen! Dürfte ich das noch schauen! Nicht schauen allein! Mitten unter den Braven sein, Mitthun, zu Rosse sitzen, Wenn die Thiere wiehern, die Klingen blitzen, Und erjagen helfen im Schlachtenbrand Ein Vaterland, ein Vaterland, Ein Deutschland, das wir nicht haben, Mit dem Säbel holen und graben, Wenn ein heiliger Krieg uns endlich eint Gegen den alten frechen Feind, Den Räuber, der seiner Beute Sich rühmet noch heute! Und dann, ja dann, Ganz Mann, Dann im flammenden Kampfgewühl, In des Lebens schwellendem Hochgefühl Todeswund Ausschütten die Seele auf blut’gen Grund, Sterben als braver Soldat In einer That, Ja, das wär’ etwas, Das steht nicht so blaß! Sterben als braver Reiter, Das wär’ gescheidter.

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Illustration zu Reiter-Weckruf

Interpretation

Das Gedicht "Reiter-Weckruf" von Friedrich Theodor Vischer ist ein Aufruf zum Kampf und zur Verteidigung der Heimat. Es beginnt mit einem energischen Ruf, der die müden Reiter aus ihrem Schlaf reißen soll. Die Trompetenklänge durchdringen den Nebel und hallen in der Morgenluft wider, um die Soldaten zu mobilisieren und sie auf den bevorstehenden Kampf vorzubereiten. Der zweite Teil des Gedichts drückt den Wunsch des Dichters aus, selbst an diesem Kampf teilnehmen zu können. Er sehnt sich danach, mitten unter den tapferen Soldaten zu sein, zu Pferde zu sitzen und im Kampf um ein Vaterland zu kämpfen. Es wird deutlich, dass das Vaterland, von dem die Rede ist, nicht das heutige Deutschland ist, sondern ein idealisiertes, das durch den Kampf errungen werden soll. Der Dichter ruft zu einem heiligen Krieg gegen den alten, frechen Feind auf, der sich noch heute seiner Beute rühmt. Im letzten Teil des Gedichts beschreibt der Dichter den Wunsch, im Kampf zu sterben. Er möchte im "flammenden Kampfgewühl" sterben, inmitten des Lebens und des Kampfes, und seine Seele auf den blutigen Grund ausschütten. Der Tod als braver Soldat oder Reiter wird als ehrenhaft und würdevoll dargestellt. Der Dichter betont, dass ein solcher Tod nicht blass oder bedeutungslos wäre, sondern etwas, das es wert ist, angestrebt zu werden.

Schlüsselwörter

feind genug geruht gieng los marsch schauen vaterland

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Stilmittel

Alliteration
So thut es, so klingt es, So schmettert's, so singt es
Anapher
»Ist's nicht genug geruht? Ist's nicht genug geruht? Auf! Auf! Auf, frisches Reiterblut!«
Bildsprache
Mit dem Säbel holen und graben
Hyperbel
In des Lebens schwellendem Hochgefühl
Kontrast
Sterben als braver Reiter, Das wär' gescheidter.
Metapher
Denkt euch, der Feind sei da!
Pathos
Dann im flammenden Kampfgewühl, In des Lebens schwellendem Hochgefühl Todeswund Ausschütten die Seele auf blut'gen Grund
Personifikation
Trompetenruf, Trompetenstoß!
Wiederholung
Ein Vaterland, ein Vaterland