Regenschirmparaden

Klabund

unknown

Vor unserm Feldmarschall, dem Ruppert: Wie manches Heldenherz da puppert. Man sieht mit Schirmen und mit Stöcken Vorbeimarschiern die alten Recken.

Mit achtzig und mit neunzig Jahren Sind sie von weitem hergefahren, Um mit den wackeligen Gliedern Den Königsgruß steif zu erwidern.

Ach, besser wär′s, ihr alten Knaben, Ein Rückgrat überhaupt zu haben Im Leben und daheim im Laden Und nicht bei völkischen Paraden.

Wenn ihr im Feld spazieren tut, Zieht ihr da euren Sonntagshut Und reckt ihr euch aus den Gesträuchen Vor den (zum Beispiel) Vogelscheuchen?

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Interpretation

Das Gedicht "Regenschirmparaden" von Klabund ist eine satirische Kritik an den völkischen Paraden und den darin teilnehmenden alten Männern. Der Sprecher des Gedichts stellt die Frage, ob es nicht besser wäre, wenn diese Männer ein Rückgrat im Leben und im Beruf hätten, anstatt bei völkischen Paraden steif den Königsgruß zu erwidern. Der Ton des Gedichts ist sarkastisch und spöttisch, was durch den Vergleich der alten Männer mit Vogelscheuchen noch verstärkt wird. Die erste Strophe beschreibt die Szene einer Parade vor dem Feldmarschall Ruppert, bei der viele Heldenherzen zittern. Die alten Recken marschieren mit Schirmen und Stöcken vorbei, was auf ihre körperliche Gebrechlichkeit und den Bedarf an Unterstützung hinweist. Die zweite Strophe verdeutlicht, dass diese Männer trotz ihres hohen Alters von weit her angereist sind, um an der Parade teilzunehmen und den Königsgruß zu erwidern. Die Verwendung des Wortes "wackelige Glieder" unterstreicht ihre physische Schwäche. Die dritte Strophe enthält die Hauptkritik des Gedichts. Der Sprecher schlägt vor, dass es für die alten Männer besser wäre, ein Rückgrat im Leben und in ihrem Beruf zu haben, anstatt bei völkischen Paraden steif zu salutieren. Dies impliziert, dass die Teilnahme an solchen Veranstaltungen als sinnlos und unwürdig angesehen wird. Die letzte Strophe verwendet eine Metapher, um die Absurdität der Situation zu verdeutlichen. Der Sprecher fragt, ob die alten Männer, wenn sie im Feld spazieren gehen, ihren Sonntagshut aufsetzen und sich aus den Gesträuchen recken, um vor Vogelscheuchen zu salutieren. Dies unterstreicht die Ansicht, dass die Teilnahme an völkischen Paraden ebenso absurd und sinnlos ist wie das Salutieren vor einer Vogelscheuche.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Vor unserm Feldmarschall, dem Ruppert
Hyperbel
Mit achtzig und mit neunzig Jahren
Ironie
Um mit den wackeligen Gliedern / Den Königsgruß steif zu erwidern
Kontrast
Ach, besser wär's, ihr alten Knaben, / Ein Rückgrat überhaupt zu haben / Im Leben und daheim im Laden / Und nicht bei völkischen Paraden
Metapher
Wie manches Heldenherz da puppert
Personifikation
Mit achtzig und mit neunzig Jahren / Sind sie von weitem hergefahren
Rhetorische Frage
Wenn ihr im Feld spazieren tut, / Zieht ihr da euren Sonntagshut / Und reckt ihr euch aus den Gesträuchen / Vor den (zum Beispiel) Vogelscheuchen?