Regel für Kranke
1802Hast du mit dem Apotheker Streit, Es dem Arzt zu klagen vermeid; Hast du über den Arzt zu klagen, Sollst du′s nicht dem Apotheker sagen; Denn sind sie auch Feinde immerdar, So werden sie Freund am neuen Jahr, Verkünden: der hat dies gesagt, Und mir hat er von dir geklagt. Wirst du nun krank in den ersten Wochen, Die Arznei sie zusammen kochen:
»Recipe: Was er uns getan, Rühren wir ihm jetzt doppelt an; Zwanzig Drachmen von seinen Klagen Mit asa foetida für den Magen. Misceatur, detur, nebst unsrem Groll, Alle Stunden zwei Löffel voll.«
Und stirbst du nicht in der Blütezeit Ihrer neuen Herzinnigkeit, Lassen sie dich so lange liegen Bis sie selbst wieder Händel kriegen.
Merke: Zweier Gegner Klagen Mußt du nicht hin und wider tragen; Weißt nicht ob, die geschieden scheinen, Sich nachmals gegen dich vereinen.
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Interpretation
Das Gedicht "Regel für Kranke" von Wilhelm Hauff handelt von der Vorsicht, die man walten lassen sollte, wenn man sich über einen Apotheker oder einen Arzt beschwert. Der Erzähler warnt davor, sich bei dem einen über den anderen zu beschweren, da sie trotz ihrer Feindschaft im nächsten Jahr wieder Freunde werden könnten und sich gegenseitig von den Beschwerden erzählen würden. In der zweiten Strophe wird deutlich, dass die beiden Berufsgruppen im Falle einer Krankheit gemeinsame Sache machen und dem Patienten eine absichtlich schädliche Medizin verabreichen würden. Die Ironie liegt darin, dass die Patienten sterben könnten, wenn sie nicht rechtzeitig geheilt werden, aber die Apotheker und Ärzte sie so lange leiden lassen würden, bis sie selbst wieder Streit haben. Die letzte Strophe fasst die Moral der Geschichte zusammen: Man sollte die Klagen von zwei Gegnern nicht hin und her tragen, da man nie weiß, ob sich scheinbar getrennte Parteien später gegen einen selbst verbünden könnten. Das Gedicht warnt vor der Gefahr, sich in zwischenmenschliche Konflikte zu verstricken und rät zur Vorsicht im Umgang mit anderen Menschen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Was er uns getan, Rühren wir ihm jetzt doppelt an
- Ironie
- Recipe: Was er uns getan
- Kontrast
- Sind sie auch Feinde immerdar, So werden sie Freund am neuen Jahr
- Metapher
- Blütezeit ihrer neuen Herzinnigkeit
- Personifikation
- Zwanzig Drachmen von seinen Klagen
- Reimschema
- AABB
- Vorhersage
- Weißt nicht ob, die geschieden scheinen, Sich nachmals gegen dich vereinen
- Vorwarnung
- Merke: Zweier Gegner Klagen Mußt du nicht hin und wider tragen