Rechtfertigung

Friedrich Haug

1761

Ja wohl! Mein Unbestand ist mir bewußt; Im Lieben wechsl′ ich ab zu meinem Glücke: Bald lieb′ ich Deinen Mund, bald Deine Blicke, Und bald die neidisch mir verhüllte Brust.

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Illustration zu Rechtfertigung

Interpretation

Das Gedicht "Rechtfertigung" von Friedrich Haug thematisiert die Vergänglichkeit und Wechselhaftigkeit der Liebe. Der lyrische Ich gesteht offen seinen "Unbestand" ein, was auf eine inhärente Instabilität in seinen Gefühlen hindeutet. Diese Unbeständigkeit wird als Strategie zur Maximierung des eigenen Glücks dargestellt, indem die Aufmerksamkeit und Zuneigung auf verschiedene Aspekte der Geliebten verteilt werden. Die Struktur des Gedichts, mit seinen kurzen, prägnanten Zeilen, spiegelt die schnellen Wechsel der Aufmerksamkeit und Zuneigung wider. Die Nennung spezifischer Körperteile – Mund, Blicke und Brust – verleiht der Darstellung eine sinnliche, fast körperliche Dimension. Die "neidisch mir verhüllte Brust" fügt eine Schicht von Verlangen und möglicherweise unerreichbarer Sehnsucht hinzu, was die Komplexität der Gefühle des lyrischen Ichs unterstreicht. Letztlich präsentiert das Gedicht eine Art Rechtfertigung für die emotionale Unbeständigkeit des Sprechers. Es wird suggeriert, dass diese Wechselhaftigkeit nicht als Mangel oder Schwäche, sondern als natürlicher und vielleicht sogar notwendiger Bestandteil der Liebe und des Strebens nach Glück angesehen werden kann. Die Offenheit des lyrischen Ichs in Bezug auf seine Gefühle und sein Verhalten lädt den Leser dazu ein, über die Natur der Liebe und die Komplexität menschlicher Emotionen nachzudenken.

Schlüsselwörter

bald unbestand bewußt lieben wechsl glücke lieb mund

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Stilmittel

Anapher
Ja wohl! Mein Unbestand ist mir bewußt; Im Lieben wechsl′ ich ab zu meinem Glücke: Bald lieb′ ich Deinen Mund, bald Deine Blicke, Und bald die neidisch mir verhüllte Brust.
Parallelismus
Bald lieb′ ich Deinen Mund, bald Deine Blicke, Und bald die neidisch mir verhüllte Brust.