Rast

Wilhelm Müller

1827

Nun merk′ ich erst, wie müd′ ich bin, Da ich zur Ruh′ mich lege: Das Wandern hielt mich munter hin Auf unwirtbarem Wege. Die Füße frugen nicht nach Rast, Es war zu kalt zum Stehen; Der Rücken fühlte keine Last, Der Sturm half fort mich wehen.

In eines Köhlers engem Haus Hab′ Obdach ich gefunden; Doch meine Glieder ruh′n nicht aus: So brennen ihre Wunden. Auch du, mein Herz, in Kampf und Sturm So wild und so verwegen, Fühlst in der Still′ erst deinen Wurm Mit heißem Stich sich regen!

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Illustration zu Rast

Interpretation

Das Gedicht "Rast" von Wilhelm Müller beschreibt die körperliche und seelische Erschöpfung eines Wanderers, der erst in der Ruhe seine Müdigkeit und die Schmerzen seiner Reise wahrnimmt. Die ersten Strophen schildern die Strapazen des Wanderns, bei dem der Körper durch die ständige Bewegung und die widrigen Umstände in einem Zustand der Anspannung gehalten wurde. Die Füße fragten nicht nach Rast, da es zu kalt zum Stehen war, der Rücken fühlte keine Last, und der Sturm half, den Wanderer voranzutreiben. In der zweiten Strophe findet der Wanderer in einem Köhlerhaus Obdach, doch seine Glieder können nicht zur Ruhe kommen, da die Wunden brennen. Dieses Bild symbolisiert, dass die seelischen Verletzungen, die der Wanderer auf seiner Reise erlitten hat, auch in der Ruhe nicht heilen. Das Gedicht endet mit einem Bezug auf das eigene Herz, das in Kampf und Sturm so wild und verwegen war, aber in der Stille erst den Wurm mit heißem Stich spürt. Dieses Metapher deutet darauf hin, dass die inneren Konflikte und Ängste erst in der Ruhe bewusst werden und quälend empfunden werden.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Fühlst in der Still′ erst deinen Wurm
Personifikation
Die Füße frugen nicht nach Rast