Rätsel 3
1802Einst hieß man mich die schönste aller Frauen, Selbst Könige entzweite meine Macht, Zehntausend Krieger aus Europas Gauen, Von Asiens Landen, schlugen manche Schlacht, Und eher nicht war ihres Kampfes Ziel, Als bis erschlagen alle Heldensöhne Und bis ein stolzes Königshaus zerfiel; Und dennoch pries man die unsel′ge Schöne.
Und wieder tönte jüngst mein alter Namen Doch bin ich häßlich und verlassen nun, Von allen die des Weges zu mir kamen, Will keiner lang an meiner Seite ruhn; Nur einer kam, der erste dem nicht grau An meinem Herd für immer still zu liegen Der lange mir ins blasse Antlitz schaut Und bitter lacht, ob meinen düstern Zügen.
»Ach, darum also«, sprach er, »läßt du feiern Dein unheilvoll Gedächtnis bis auf heut, Damit du reihtest zu den alten Freiern Auch einen Heros aus der neuen Zeit? Doch lockst du mich mit keinem Erdentand, Denn Zeus zerschlug dein Ilium in Scherben! Wohlan! auch meine Trojer deckt der Sand, So laß mich denn in deinen Armen sterben.«
Auflösung:[Helena]
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Interpretation
Das Gedicht "Rätsel 3" von Wilhelm Hauff erzählt die tragische Geschichte der schönsten aller Frauen, die einst Könige entzweite und Zehntausende von Kriegern in Schlachten führte. Ihre Macht und Schönheit waren so überwältigend, dass sie sogar ein stolzes Königshaus zum Einsturz brachte. Doch trotz ihres Ruhmes wurde sie als "unglückliche Schöne" bezeichnet. Im zweiten Teil des Gedichts wird deutlich, dass sich die einstige Schönheit in ein hässliches und verlassenes Wesen verwandelt hat. Niemand möchte länger an ihrer Seite verweilen, nur ein Mann kommt zu ihr und betrachtet ihr blasses Antlitz. Er erkennt die Gründe für ihre Berühmtheit und spricht sie an, indem er sagt, dass sie ihr unheilvolles Gedächtnis bis heute feiern lässt, um auch einen Helden aus der neuen Zeit zu ihren Freiern zu zählen. Der Mann erkennt, dass er sich nicht von ihr mit irdischen Dingen locken lässt, denn Zeus hatte ihre Stadt Ilium in Scherben geschlagen. Er akzeptiert sein Schicksal und will in ihren Armen sterben, da auch seine Trojer vom Sand bedeckt werden. Das Gedicht endet mit der Auflösung des Rätsels: Helena, die berühmte schöne Frau aus der griechischen Mythologie, die den Trojanischen Krieg auslöste und letztendlich zu ihrem tragischen Ende führte.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Selbst Könige entzweite meine Macht
- Anapher
- Und bis ein stolzes Königshaus zerfiel; Und dennoch pries man die unsel′ge Schöne.
- Hyperbel
- Zehntausend Krieger aus Europas Gauen
- Metapher
- Und Zeus zerschlug dein Ilium in Scherben
- Personifikation
- Von allen die des Weges zu mir kamen