Rache

Friedrich Theodor Vischer

1825

Gedichte, Romane und Dramen Habt ihr mir zugeschifft, Auch Manuskripte gar kamen In augenmordender Schrift.

Wenn schon der Kopf mir erkrachte, Von Arbeit überschneit, Ein Jeder von euch sich dachte: Für mich ja doch hat er wohl Zeit.

Ich sollte das Zeug studiren, Wenn ich todesmüd schon war, Dann einen Brief komponiren, Verleger noch suchen sogar.

Und zuletzt noch mußt’ ich mich placken, Fluchend wie ein Pandur, Stöße Papier zu verpacken Mit Sigellack und mit Schnur.

Jahrzehnte lang habt ihr’s getrieben, Habt mich gemartert, gezwickt, Geschunden, zersägt, zerrieben, Zerklemmt und zerquetscht und erstickt.

Jetzt komm ich zu euch als Bruder, Doch als Rachengel zugleich! Da habt ihr es nun, ihr Luder, Jetzt leset! Jetzt schinde ich euch!

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Illustration zu Rache

Interpretation

Das Gedicht "Rache" von Friedrich Theodor Vischer handelt von einem Autor, der sich von den Anforderungen und Erwartungen der Verlagswelt und der Leserschaft überfordert und ausgenutzt fühlt. Er beschreibt, wie er unzählige Manuskripte, Romane, Dramen und Gedichte erhalten hat, die er mühsam lesen, beurteilen und beantworten musste, obwohl er selbst erschöpft und überarbeitet war. Er musste sich auch noch um die Veröffentlichung und den Versand der Werke kümmern, was ihn zusätzlich belastete. Der Autor fühlt sich von den Verlegern und Autoren jahrzehntelang gemartert, gequält, misshandelt, zersägt, zerrieben, eingeklemmt und erstickt. Er sieht sich als Opfer eines Systems, das seine Arbeitskraft und Kreativität ausbeutet und ihn nicht respektiert. Er hat genug von dieser Situation und beschließt, sich zu rächen. Er kommt zu den Verlegern und Autoren als Bruder, aber auch als Racheengel. Er will ihnen das Gleiche antun, was sie ihm angetan haben: Er will sie zwingen, seine Werke zu lesen und zu bearbeiten. Er will sie schinden, also ausbeuten und auslaugen. Er will ihnen zeigen, wie es sich anfühlt, unter dem Druck und der Last der Literatur zu leiden. Er will sich für die Ungerechtigkeit und die Demütigung rächen, die er erfahren hat.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Hyperbel
Jetzt schinde ich euch!
Metapher
Da habt ihr es nun, ihr Luder
Personifikation
Wenn schon der Kopf mir erkrachte