Qualnachtwald
1895Vom Meer zum Mainkai Nebel webt Wunschmann in Wut die Welt umläuft Im Wurzelwerk ein Mahr Gold häuft Hoch ob der Seewell Habicht schwebt
Der Maimond blauen Schlaftrank träuft Wo hartgelehnt der Schüler strebt An Thesen ist ein Narr wer klebt Weil tief ein Denkschacht drunter teuft
Erdherzwärts trübes Blut musst kreisen Sei dir auch Sonnenbahn verheißen Und lichte Zwiesprach mit den Steinen
Tagshell mags grell sogar erscheinen Bis alle Gramlast grabhaft ruht Am Qualnachtwald. Hans Schiebelhuth.
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Interpretation
Das Gedicht "Qualnachtwald" von Hans Schiebelhuth beschreibt eine mystische und düstere Atmosphäre, in der sich Natur und menschliche Gedankenwelt vermischen. Der Nebel, der vom Meer zum Mainkai webt, symbolisiert eine verwirrende und trügerische Umgebung, in der der "Wunschmann" in Wut die Welt umläuft. Das Bild des "Mahr", das Gold im Wurzelwerk häuft, deutet auf verborgene Schätze oder Erkenntnisse hin, die tief in der Erde verborgen sind. Der Habicht, der hoch über den Seewellen schwebt, steht für eine übergeordnete Perspektive oder einen Beobachter, der das Geschehen von oben betrachtet. Der zweite Teil des Gedichts führt den "Maimond" ein, der blauen Schlaftrank träuft, was auf eine beruhigende oder betäubende Wirkung hindeutet. Der Schüler, der hart gelehnt strebt, symbolisiert den menschlichen Drang nach Wissen und Erkenntnis, während der Narr, der an Thesen klebt, die Gefahr des dogmatischen Denkens darstellt. Der "Denkschacht", der tief unter ihm teuft, könnte als Metapher für die Tiefe des menschlichen Geistes oder die Abgründe des Denkens interpretiert werden. Im letzten Teil des Gedichts wird die Idee der inneren Reise und der Auseinandersetzung mit dem eigenen Wesen aufgegriffen. Das "erdherzwärts trübes Blut" muss kreisen, was auf die Notwendigkeit hinweist, sich mit den dunklen und trüben Aspekten des eigenen Inneren auseinanderzusetzen. Trotz der Verheißung der Sonnenbahn und der "lichten Zwiesprach mit den Steinen" bleibt die Atmosphäre des Gedichts düster und bedrohlich. Der "Qualnachtwald" am Ende des Gedichts symbolisiert einen Ort der Qual und des Leidens, an dem sich alle "Gramlast" grabhaft ruht, was auf eine Art von Katharsis oder Erlösung durch das Durchleben von Schmerz und Leid hindeutet.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Alliteration
- Vom Meer zum Mainkai Nebel webt
- Bildsprache
- Der Maimond blauen Schlaftrank träuft
- Hyperbel
- Hoch ob der Seewell Habicht schwebt
- Kontrast
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- Metapher
- Am Qualnachtwald
- Personifikation
- Und lichte Zwiesprach mit den Steinen