Qual
1911“Komm’ mit, Geliebte! - Allzu mächtig Treibt uns der Morgen jetzt nach Haus. Wie siehst du blaß und übernächtig In diesem fahlen Lichte aus!
Noch schmäler wurden deine Wangen, Seit sie die Lust verlassen hat, Und deine Worte eben klangen, Als seist du selbst des Lärmens satt.
Drum komm’: ich will dich in den Wagen - Er bringt uns heim zu unserm Nest! - Wie einen müden Vogel tragen… Komm’ mit, eh’ ganz vorbei das Fest!
Laß uns entfliehen dem Gedränge, Das bald die Treppen übergießt - Was ist uns diese fremde Menge, Die uns wie trüber Schlamm umfließt!”
So lock’ und lenke ich sie leise Allnächtlich fast zu mir zurück, Und eine Weile alte Gleise Schleicht hin mein ungetreues Glück.
Es ist gelungen! - Mein nun wieder Ist sie, für eine Weile mein! Still trag’ ich sie die Stufen nieder, Still schläft an meiner Brust sie ein…
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Interpretation
Das Gedicht "Qual" von John Henry Mackay handelt von einem Mann, der seine Geliebte von einer lauten und überfüllten Feier wegbringt. Die Stimmung ist düster und melancholisch, was durch die Beschreibung der bleichen und übernächtigten Geliebten sowie des fahlen Lichts unterstrichen wird. Der Mann verspürt eine Art Sehnsucht nach der Intimität und Ruhe, die sie in ihrem eigenen Zuhause finden können, weg von der fremden Menge und dem Lärm. Die Beziehung zwischen dem Mann und seiner Geliebten scheint jedoch nicht ganz unkompliziert zu sein. Die Zeile "Allnächtlich fast zu mir zurück" deutet darauf hin, dass die Geliebte nicht immer bei ihm ist und dass er sie regelmäßig von Feiern abholen muss. Dies lässt auf eine gewisse Instabilität oder Unehrlichkeit in ihrer Beziehung schließen. Der Mann scheint sich bewusst zu sein, dass ihr Glück "ungetreu" ist, was auf eine gewisse Resignation oder Akzeptanz der Situation hindeutet. Am Ende des Gedichts gelingt es dem Mann, seine Geliebte nach Hause zu bringen, wo sie an seiner Brust einschläft. Dies könnte als Moment der Ruhe und Intimität interpretiert werden, der jedoch nur von kurzer Dauer zu sein scheint. Die Tatsache, dass sie "für eine Weile" wieder sein ist, lässt vermuten, dass diese Momente der Zweisamkeit selten und vergänglich sind. Das Gedicht endet mit einer gewissen Bittersüße, da der Mann die flüchtige Nähe zu seiner Geliebten genießt, sich aber der Vergänglichkeit dieses Glücks bewusst ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Laß uns entfliehen dem Gedränge
- Anapher
- Still trag' ich sie die Stufen nieder, Still schläft an meiner Brust sie ein
- Bildsprache
- Die uns wie trüber Schlamm umfließt
- Metapher
- Der bringt uns heim zu unserm Nest
- Personifikation
- Noch schmäler wurden deine Wangen, Seit sie die Lust verlassen hat
- Vergleich
- Wie einen müden Vogel tragen
- Wiederholung
- Komm' mit, Geliebte! - Allzu mächtig Treibt uns der Morgen jetzt nach Haus