Quai du Rosaire
1875Brügge
Die Gassen haben einen sachten Gang (wie manchmal Menschen gehen im Genesen nachdenkend: was ist früher hier gewesen?) und die an Plätze kommen, warten lang
auf eine andre, die mit einem Schritt über das abendklare Wasser tritt, darin, je mehr sich rings die Dinge mildern, die eingehängte Welt von Spiegelbildern so wirklich wird wie diese Dinge nie.
Verging nicht diese Stadt? Nun siehst du, wie (nach einem unbegreiflichen Gesetz) sie wach und deutlich wird im Umgestellten, als wäre dort das Leben nicht so selten;
dort hängen jetzt die Gärten groß und gelten, dort dreht sich plötzlich hinter schnell erhellten Fenstern der Tanz der Estaminets.
Und oben blieb? - - Die Stille nur, ich glaube, und kostet langsam und von nichts gedrängt Beere um Beere aus der süßen Traube des Glockenspiels, das in den Himmel hängt.
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Interpretation
Das Gedicht "Quai du Rosaire" von Rainer Maria Rilke beschreibt die Stadt Brügge als einen Ort der Ruhe und Besinnung. Die Gassen der Stadt werden als sanft und nachdenklich beschrieben, als ob sie über die Vergangenheit nachsinnen. Die Stadt scheint in einem Zustand des Wartens zu sein, auf eine andere, die über das klare Wasser tritt. Die Spiegelbilder in dem Wasser werden als realer dargestellt als die tatsächlichen Dinge, was auf eine gewisse Täuschung oder Illusion hindeutet. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Stadt Brügge als wiederbelebt beschrieben. Trotz der Vergangenheit wird sie durch ein unverständliches Gesetz wieder lebendig und deutlich im Umgestellten. Die Gärten sind groß und wertvoll, und plötzlich gibt es Tanz und Leben in den Estaminets. Die Stille bleibt jedoch oben, und sie genießt langsam und ungestört die süßen Klänge des Glockenspiels, das in den Himmel hängt. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der Sehnsucht und der Schönheit der Vergangenheit, die in der Gegenwart wieder auflebt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- das abendklare Wasser
- Metapher
- Beere um Beere aus der süßen Traube des Glockenspiels
- Personifikation
- Die Stille nur, ich glaube
- Rhetorische Frage
- Verging nicht diese Stadt?
- Vergleich
- (wie manchmal Menschen gehen im Genesen)