Pygmalion
1751An diesen Lippen, diesen Augen Die Welt vergessend, hinzuhangen Und aus den rosenroten Wangen Des Lebens Ueberfluß zu saugen, An dieses Busens reiner Fülle Die Schmerzen meiner Brust zu wiegen Und auf des Schoßes Fried und Stille Mit tränenmüdem Haupt zu liegen,
Das war mein Wunsch – das ist mein Grämen – Und soll mir doch kein Schicksal nehmen.
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Interpretation
Das Gedicht "Pygmalion" von Jakob Michael Reinhold Lenz thematisiert die Sehnsucht nach vollkommener Liebe und Hingabe an eine idealisierte Frau. Der lyrische Ich beschreibt seine Wünsche, sich ganz an den Lippen und Augen der Geliebten zu verlieren und aus der Fülle ihres Lebens zu schöpfen. Er träumt davon, seinen Schmerz an ihrem reinen Busen zu wiegen und in ihrem Schoß Frieden und Stille zu finden, um dort mit einem müden, tränenüberströmten Haupt zu ruhen. Diese Wünsche werden als "Grämen" bezeichnet, was darauf hindeutet, dass sie unerfüllt bleiben oder mit Schmerz verbunden sind. Die Verwendung von Naturbildern wie "rosenroten Wangen" und "reiner Fülle" verleiht der Geliebten eine fast überirdische Schönheit und Reinheit. Der lyrische Ich scheint sie als perfektes Wesen zu idealisieren, das ihm Trost und Erlösung von seinen Schmerzen bringen kann. Die Wiederholung des Wunsches am Ende des Gedichts unterstreicht die Intensität und Dringlichkeit dieser Sehnsucht. Die Bezugnahme auf die griechische Mythologie in Form des Titels "Pygmalion" fügt eine weitere Ebene der Interpretation hinzu. In der Mythologie schuf der Bildhauer Pygmalion eine Statue, die so perfekt war, dass er sich in sie verliebte. Lenz könnte damit andeuten, dass die Geliebte des lyrischen Ichs ebenso idealisiert und unerreichbar ist wie Pygmalions Statue. Das Gedicht könnte als Reflexion über die menschliche Neigung verstanden werden, das Objekt der eigenen Begierde zu idealisieren und dabei die Realität aus den Augen zu verlieren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- An diesen Lippen, diesen Augen
- Hyperbel
- Des Lebens Ueberfluß zu saugen
- Kontrast
- Das war mein Wunsch – das ist mein Grämen
- Metapher
- Des Lebens Ueberfluß zu saugen
- Personifikation
- An dieses Busens reiner Fülle Die Schmerzen meiner Brust zu wiegen