Psyche

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

1719

Auf des Rasens grünen Matten Lag in seiner Myrthen Schatten Amor schlafend hingeschmiegt, Wie der Gott der Ruhe liegt.

Psyche, die bei ihren Schafen Immer wachte, sah ihn schlafen, Eilte sich und nahm in Eil’ Ihm den Bogen und den Pfeil!

»Mädchen«, sprach der Gott der Liebe, »Ganz umsonst wirst du zum Diebe: Hast du, liebes Mädchen, nicht Pfeil und Bogen im Gesicht?«

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Illustration zu Psyche

Interpretation

Das Gedicht "Psyche" von Johann Wilhelm Ludwig Gleim erzählt eine mythologische Geschichte über die Begegnung zwischen der schönen Psyche und dem Gott Amor. In einer idyllischen Naturlandschaft findet der Dichter den schlafenden Amor, der als Gott der Liebe und der Ruhe dargestellt wird. Psyche, die ihre Schafe hütet, entdeckt den schlafenden Amor und nutzt die Gelegenheit, um ihm seinen Bogen und seine Pfeile zu stehlen. Diese Tat symbolisiert den Wunsch, die Macht der Liebe zu besitzen und zu kontrollieren. Die zweite Strophe beschreibt Psyches impulsives Handeln und ihre Motivation, die Waffen des Gottes der Liebe zu entwenden. Sie eilt herbei und nimmt dem schlafenden Amor seinen Bogen und seine Pfeile. Diese Tat kann als Ausdruck von Neugier, Mut und dem Wunsch nach Macht interpretiert werden. Psyche möchte die Fähigkeit erlangen, selbst Liebe zu verbreiten und zu beeinflussen. In der dritten Strophe wendet sich Amor an Psyche und spricht sie als "Mädchen" an. Er sagt ihr, dass ihr Diebstahl vergeblich war, da sie bereits Pfeil und Bogen im Gesicht habe. Diese Aussage kann metaphorisch verstanden werden: Psyche besitzt bereits die Schönheit und Anziehungskraft, die es ihr ermöglichen, die Herzen der Menschen zu erobern. Das Gedicht endet mit einer humorvollen und ironischen Note, da Amor Psyche darauf hinweist, dass sie bereits über die Macht verfügt, die sie zu stehlen versucht hat.

Schlüsselwörter

gott bogen pfeil mädchen rasens grünen matten lag

Wortwolke

Wortwolke zu Psyche

Stilmittel

Anspielung
Amor schlafend hingeschmiegt
Ironie
»Mädchen«, sprach der Gott der Liebe, »Ganz umsonst wirst du zum Diebe
Metapher
Auf des Rasens grünen Matten
Personifikation
Wie der Gott der Ruhe liegt