prüfe fleisch und blut
1665Climene / prüfe fleisch und blut / Und straffe meine liebes-glut / Nicht nach der schwäche deiner flammen; Mein feuer kömmt aus Adams schooß / Darein der himmel selber floß; Wie kan dein menschlich herz doch meine glut verdammen.
Du bist / wie Eva / fleisch und bein / Drum kanstu auch kein engel seyn / Und ausser menschen dich verlieben / Und das gesetze der natur / Das mit dem athem in uns fuhr / Hat auch in deine brust: seyd fruchtbar; eingeschrieben.
Wer sich in stiller glut verbrennt / Und menschen-liebe sünde nennt / Muß auch das paradieß verdammen; Denn Evens weisse marmel-haut War kaum aus knochen auffgebaut / So fühlte Adams herz schon süsse liebes-flammen.
Climene / drum bedencke dich / Du kanst hier ohne dornen-stich Die schönsten zucker-rosen brechen. Ein mensch muß wie die ärzte seyn / Und eher nicht von todtes-pein / Als von der lebens-krafft der starcken öle sprechen.
Schau / meine seele schmelzt in mir / Und alle glieder folgen dir / Gleich wie die blumen ihrer sonnen; Bist du mir nun mein sonnen-schein / So laß mich deine blume seyn / Biß meine wurzel grund in deinem schooß gewonnen.
Benjamin Neukirch
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Interpretation
Das Gedicht "prüfe fleisch und blut" von Benjamin Neukirch ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die menschliche Liebe und Leidenschaft. Der Sprecher, der vermutlich ein Mann ist, wendet sich an Climene, eine Frau, und fordert sie auf, seine Liebe nicht nach der Schwäche ihrer Flammen zu beurteilen. Er betont, dass sein Feuer aus Adams Schoß kommt, in den der Himmel selbst geflossen ist, und dass ihr menschliches Herz seine Glut nicht verdammen kann. In den folgenden Strophen vergleicht der Sprecher Climene mit Eva, die ebenfalls Fleisch und Bein ist und daher kein Engel sein kann. Er argumentiert, dass das Gesetz der Natur, das mit dem Atem in uns fuhr, auch in ihre Brust eingeschrieben hat: "seyd fruchtbar". Er kritisiert diejenigen, die sich in stiller Glut verbrennen und menschliche Liebe als Sünde bezeichnen, und fordert Climene auf, sich daran zu erinnern, dass Adam bereits süße Liebesflammen empfand, als Evens weißes Marmel-Haut kaum aus Knochen aufgebaut war. In den letzten Strophen verwendet der Sprecher eine Reihe von Metaphern, um seine Liebe zu Climene zu beschreiben. Er vergleicht seine Seele mit etwas, das in ihm schmilzt, und seine Glieder mit Blumen, die ihrer Sonne folgen. Er bittet Climene, seine Sonne zu sein, damit er ihre Blume sein kann, bis seine Wurzel Grund in ihrem Schoß gewonnen hat. Insgesamt ist das Gedicht eine leidenschaftliche Verteidigung der menschlichen Liebe und Leidenschaft gegen diejenigen, die sie als Sünde betrachten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Climene / prüfe fleisch und blut
- Anspielung
- Und Evens weisse marmel-haut
- Hyperbel
- Mein feuer kömmt aus Adams schooß / Darein der himmel selber floß
- Metapher
- Biß meine wurzel grund in deinem schooß gewonnen
- Parallelismus
- Du bist / wie Eva / fleisch und bein / Drum kanstu auch kein engel seyn
- Personifikation
- Und das gesetze der natur / Das mit dem athem in uns fuhr
- Symbolik
- Ohne dornen-stich / Die schönsten zucker-rosen brechen
- Vergleich
- Gleich wie die blumen ihrer sonnen