Protest

Nikolaus Lenau

1833

Wenn ich verachte heimliches Verschwören, Und wenn ich hasse Meuchelmörderhand, Wenn in des Volkserretters Ruhmgewand Verhüllte Schufte meinen Groll empören,

Reih ich das Königstum den Himmelsgaben, Verlaßner Völker Vaterhaus und Hort. O glaubet nicht, ich liebe drum sofort, Was jetzt und hier an Königen wir haben.

O glaubet nicht, ich führe keinen Zunder Im Herzen für des Zornes edle Glut, Tritt wo ein Fürst sein Volk im Übermut, Noch daß ich ehren kann gekrönten Plunder.

Nie wird mein Flügelroß zum Schindergaule Für meine Ehre, und mich strafe Gott, Sing ich ein Fürstenlied, daß mir, zum Spott, Die Hand vom Saitenspiel herunterfaule.

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Illustration zu Protest

Interpretation

Das Gedicht "Protest" von Nikolaus Lenau ist eine leidenschaftliche Verteidigung der Monarchie, die sich gegen heimliche Verschwörungen und Meuchelmörder richtet. Lenau drückt seinen Abscheu gegenüber verdeckten politischen Intrigen und gewalttätigen Aktionen aus, die oft unter dem Deckmantel des Volkswillens getarnt sind. Er betont die Bedeutung des Königtums als himmlische Gabe und als Schutz für verlassene Völker, was auf seine tiefe Verbundenheit mit der Idee der Monarchie hindeutet. Lenau stellt klar, dass seine Unterstützung für die Monarchie nicht bedeutet, dass er die derzeitige Herrscherklasse bedingungslos unterstützt. Er behauptet, dass er ein starkes Feuer der Empörung in seinem Herzen trägt, das bereit ist, gegen jeden Fürsten auszubrechen, der sein Volk tyrannisiert. Dies zeigt, dass Lenau ein prinzipientreuer Monarchist ist, der den König als Symbol der Stabilität und des Schutzes sieht, aber nicht bereit ist, die Missbräuche der Macht zu tolerieren. Das Gedicht endet mit einer kraftvollen Metapher, in der Lenau schwört, niemals ein Loblied auf einen Fürsten zu singen, der seiner Ehre unwürdig ist. Er droht sogar damit, dass seine Hand vom Saitenspiel abfallen soll, wenn er jemals ein solches Lied singen sollte. Dies unterstreicht die Intensität seiner Überzeugungen und seinen festen Standpunkt gegen die Unterstützung von Tyrannen oder korrupten Herrschern.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Reih ich das Königstum den Himmelsgaben
Anapher
O glaubet nicht, ich liebe drum sofort, / O glaubet nicht, ich führe keinen Zunder
Hyperbel
Nie wird mein Flügelroß zum Schindergaule
Kontrast
Wenn ich verachte heimliches Verschwören, / Und wenn ich hasse Meuchelmörderhand
Metapher
Wenn in des Volkserretters Ruhmgewand / Verhüllte Schufte meinen Groll empören
Personifikation
Sing ich ein Fürstenlied, daß mir, zum Spott, / Die Hand vom Saitenspiel herunterfaule