Prometheus
1817Bedecke deinen Himmel, Zeus, Mit Wolkendunst! Und übe, Knaben gleich, Der Disteln köpft, An Eichen dich und Bergeshöhn! Mußt mir meine Erde Doch lassen stehn, Und meine Hütte, Die du nicht gebaut, Und meinen Herd, Um dessen Glut Du mich beneidest.
Ich kenne nichts Ärmeres Unter der Sonn als euch Götter. Ihr nähret kümmerlich Von Opfersteuern Und Gebetshauch Eure Majestät Und darbtet, wären Nicht Kinder und Bettler Hoffnungsvolle Toren.
Da ich ein Kind war, Nicht wußte, wo aus, wo ein, Kehrte mein verirrtes Aug Zur Sonne, als wenn drüber wär Ein Ohr zu hören meine Klage, Ein Herz wie meins, Sich des Bedrängten zu erbarmen. Wer half mir wider Der Titanen Übermut? Wer rettete vom Tode mich, Von Sklaverei?
Hast du′s nicht alles selbst vollendet, Heilig glühend Herz? Und glühtest, jung und gut, Betrogen, Rettungsdank Dem Schlafenden dadroben? Ich dich ehren? Wofür? Hast du die Schmerzen gelindert Je des Beladenen? Hast du die Tränen gestillet Je des Geängsteten? Hat nicht mich zum Manne geschmiedet Die allmächtige Zeit Und das ewige Schicksal, Meine Herren und deine?
Wähntest du etwa, Ich sollte das Leben hassen, In Wüsten fliehn, Weil nicht alle Knabenmorgen- Blütenträume reiften? Hier sitz ich, forme Menschen Nach meinem Bilde, Ein Geschlecht, das mir gleich sei, Zu leiden, weinen, Genießen und zu freuen sich, Und dein nicht zu achten, Wie ich.
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Interpretation
Das Gedicht "Prometheus" von Johann Wolfgang von Goethe ist ein leidenschaftlicher Aufruf an die Götter, insbesondere an Zeus, sich von der Erde und ihren Bewohnern fernzuhalten. Der Sprecher, der als Prometheus identifiziert wird, fordert die Götter auf, ihre Wolken und Stürme über den Himmel zu verbreiten, während er seine Erde und seine Hütte ungestört lassen möchte. Er betont, dass die Götter nur von Opfergaben und Gebeten leben und ohne die Hoffnung der Menschen und Bettler verhungern würden. Der Sprecher erinnert sich an seine Kindheit, als er sich an die Sonne wandte, in der Hoffnung, dass jemand sein Leid hören und sich seines Leidens erbarmen würde. Er fragt, wer ihm gegen die Überheblichkeit der Titanen geholfen und ihn vor dem Tod und der Sklaverei gerettet hat. Er fragt sich, ob Zeus ihm jemals geholfen oder seine Schmerzen gelindert hat. Er betont, dass es die Zeit und das Schicksal waren, die ihn zum Menschen geformt haben, nicht die Götter. Schließlich erklärt der Sprecher, dass er nicht vorhat, das Leben zu hassen oder in die Wüste zu fliehen, nur weil nicht alle Träume wahr werden. Er sitzt da und formt Menschen nach seinem eigenen Bild, eine Generation, die ihm ähnlich ist, die leidet, weint, genießt und sich freut, aber die Götter nicht achtet, wie er es tut.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anspielung
- Prometheus
- Hyperbel
- Der Titanen Übermut
- Metapher
- Bedecke deinen Himmel, Zeus, mit Wolkendunst!
- Parallelismus
- Zu leiden, weinen, genießen und zu freuen sich
- Rhetorische Frage
- Hast du die Schmerzen gelindert je des Beladenen?