Prolog

Klabund

1890

Ich sitze hier am Schreibtisch Und schreibe ein Gedichte, Indem ich in die Tinte wisch Und mein Gebet verrichte.

So giebt sich spiegelnd Vers an Vers In ölgemuter Glätte. Nur selten fragt man sich: Wie wärs, Wenn es mehr Seele hätte?

Die Seele tut mir garnicht weh, Sie ist ganz unbeteiligt. Nackt liegt sie auf dem Kanapee Und durch sich selbst geheiligt.

Des Abends geh ich mit ihr aus, Im Knopfloch eine Dalie. Ich selber heiße Stanislaus, Sie aber heißt Amalie.

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Interpretation

Das Gedicht "Prolog" von Klabund beschreibt die kreative Tätigkeit des Dichters beim Verfassen eines Gedichts. Der Dichter sitzt am Schreibtisch und schreibt, wobei er seine Worte in die Tinte "wisch" und sein "Gebet verrichtet". Die Sprache ist spielerisch und ironisch, was den leichtfüßigen Ton des Gedichts unterstreicht. Die Verse fließen in "ölig matter Glätte" ineinander über, was auf die mühelose Produktion hindeutet. Der Dichter fragt sich nur selten, ob das Gedicht mehr "Seele" hätte haben können. Dies impliziert, dass er sich nicht allzu sehr um die Tiefe oder emotionale Wirkung seiner Arbeit sorgt. Die Seele selbst wird als gleichgültig und unbeschwert dargestellt. Sie liegt "nackt auf dem Kanapee" und ist "durch sich selbst geheiligt". Dies deutet auf eine Distanzierung des Dichters von der emotionalen Tiefe seiner Arbeit hin. Die Seele wird personifiziert und als separate Entität vom Dichter selbst betrachtet. Am Abend geht der Dichter mit seiner Seele aus, wobei er eine "Dalie" im Knopfloch trägt. Er nennt sich selbst "Stanislaus", während die Seele "Amalie" heißt. Dies fügt eine humorvolle und ironische Note hinzu, indem der Dichter und seine Seele als separate Personen dargestellt werden, die zusammen ausgehen. Das Gedicht endet mit einer leichten, fast absurden Note, die den spielerischen Charakter des gesamten Werks unterstreicht.

Schlüsselwörter

vers seele sitze schreibtisch schreibe gedichte indem tinte

Wortwolke

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Stilmittel

Kontrast
Ich selber heiße Stanislaus, Sie aber heißt Amalie
Metapher
Indem ich in die Tinte wisch
Personifikation
Die Seele tut mir garnicht weh
Symbolik
Im Knopfloch eine Dalie