Proleten
unknownSieben Kinder in der Stube Und dazu ein Aftermieter, Hausen wir in feuchter Grube, Und der blaue Tag - o sieht er Uns, verbirgt er sein Gesicht. Gebt uns Licht, gebt uns Licht!
Büße Weib die Ehe, büße. Wie wir einst uns selig wähnten - Sehn wir jetzt nur noch die Füße Der an uns Vorübergehnden… Keiner, der mal stehenbliebe… Gebt uns Liebe, gebt uns Liebe!
Mancher schläft auf nacktem Brette. Unsre Älteste, die Katze, Schnurrt dafür in einem Bette Mit dem Mieter, ihrem Schatze. Die Moral ist für den Spatz… Gebt uns Platz, gebt uns Platz!
In dem Sausen der Maschinen, In dem Fauchen der Fabrik, Wo sind Berg und Reh und Bienen Und der Sterne Goldmusik? Unser Ohr ist längst verstopft… Hämmer klopft, Hämmer klopft!
Und so kriechen unsre Tage Ekle Würmer durch den Keller, Und wir hungern, und wir klagen Nie: schon pfeift die Lunge greller; Schmeißt die Schwindsucht uns in Scherben… Laßt uns sterben, laßt uns sterben!
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Interpretation
Das Gedicht "Proleten" von Klabund thematisiert das harte Leben der Arbeiterklasse im frühen 20. Jahrhundert. Es schildert die beengten und unhygienischen Wohnverhältnisse einer armen Familie mit sieben Kindern und einem Untermieter in einer feuchten Kellerwohnung. Die Familie leidet unter Armut, Krankheiten und sozialer Isolation. Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit der Ehe und den Beziehungen innerhalb der Familie. Die Ehefrau büßt für die Ehe, was auf die Lasten und Entbehrungen hinweist, die sie tragen muss. Die Familie fühlt sich von der Außenwelt abgeschnitten und sehnt sich nach Liebe und Zuwendung. Im dritten Abschnitt wird die Ausbeutung der Arbeiter durch die Industrie thematisiert. Die Familie lebt in den Fabriken und Werkstätten, wo sie ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden für das Überleben opfern muss. Die lauten Maschinen und das Fehlen von Natur und Schönheit in ihrem Leben werden betont. Das Gedicht endet mit einem resignativen Ausblick auf den Tod. Die Familie hat sich an ihr elendes Dasein gewöhnt und akzeptiert ihr Schicksal. Die Tuberkulose, eine damals weit verbreitete Krankheit, wird als unausweichliches Ende dargestellt. Das Gedicht vermittelt eine düstere und pessimistische Stimmung und verdeutlicht die sozialen und wirtschaftlichen Probleme der Arbeiterklasse zu dieser Zeit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Hämmer klopft, Hämmer klopft!
- Anapher
- Gebt uns Licht, gebt uns Licht! Gebt uns Liebe, gebt uns Liebe! Gebt uns Platz, gebt uns Platz!
- Bildsprache
- In dem Sausen der Maschinen, In dem Fauchen der Fabrik, Wo sind Berg und Reh und Bienen Und der Sterne Goldmusik?
- Hyperbel
- Und so kriechen unsre Tage Ekle Würmer durch den Keller
- Kontrast
- Büße Weib die Ehe, büße. Wie wir einst uns selig wähnten - Sehn wir jetzt nur noch die Füße Der an uns Vorübergehnden...
- Metapher
- Ekle Würmer durch den Keller
- Personifikation
- Und der blaue Tag - o sieht er Uns, verbirgt er sein Gesicht
- Symbolik
- Schmeißt die Schwindsucht uns in Scherben