Prinz Roccocco

Joseph von Eichendorff

1788

Prinz Roccocco, hast dir Gassen Abgezirkelt fein von Bäumen Und die Bäume scheren lassen, Daß sie nicht vom Wald mehr träumen.

Wo sonst nur gemein Gefieder Ließ sein bäurisch Lied erschallen, Muß ein Papagei jetzt bieder: »Vivat Prinz Roccocco!« lallen.

Quellen, die sich unterfingen, Durch die Waldesnacht zu tosen, Läßt du als Fontänen springen Und mit goldnen Bällen kosen.

Und bei ihrem sanften Rauschen Geht Damöt bebändert flöten Und in Rosenhecken lauschen Daphnen fromm entzückt Damöten.

Prinz Roccocco, Prinz Roccocco, Laß dir raten, sei nicht dumm! In den Bäumen, wie in Träumen, Gehen Frühlingsstimmen um.

Springbrunn in dem Marmorbecken Singt ein wunderbares Lied, Deine Taxusbäume recken Sehnend sich aus Reih und Glied.

Daphne will nicht weiter schweifen Und Damöt erschrocken schmält, Können beide nicht begreifen, Was sich da der Wald erzählt.

Laß die Wälder ungeschoren, Anders rauscht′s, als du gedacht Sie sind mit dem Lenz verschworen, Und der Lenz kommt über Nacht.

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Illustration zu Prinz Roccocco

Interpretation

Das Gedicht "Prinz Roccocco" von Joseph von Eichendorff erzählt von einem Prinzen, der die Natur nach seinem Willen gestaltet. Er lässt die Bäume in seinen Gassen schneiden, damit sie nicht mehr "vom Wald träumen", und zwingt die Vögel, statt ihrer natürlichen Lieder nur noch "Vivat Prinz Roccocco!" zu rufen. Die Quellen, die einst durch die Nacht tosten, werden zu Fontänen, die mit "goldnen Bällen kosen". Die natürliche Schönheit und Freiheit der Natur wird durch den Prinzen unterdrückt und in eine künstliche, kontrollierte Form gebracht. Die zweite Strophe zeigt die Folgen dieser Eingriffe. Die Figuren Damöt und Daphnen, die für die natürliche, ungezwungene Schönheit stehen, sind verwirrt und erschrocken. Sie können nicht verstehen, was sich der Wald "erzählt", denn die natürlichen Stimmen und das Frühlingserwachen sind verstummt. Die Taxusbäume recken sich sehnend aus der Reihe, als ob sie sich nach ihrer ursprünglichen Freiheit sehnen. In der dritten Strophe appelliert der Erzähler an den Prinzen, seine Eingriffe zu beenden. Er rät ihm, "sei nicht dumm" und die Wälder "ungeschoren" zu lassen. Die Natur ist mit dem Frühling "verschworen" und wird sich durchsetzen, "und der Lenz kommt über Nacht". Der Frühling, als Symbol für die unaufhaltsame Kraft der Natur, wird die künstlichen Eingriffe des Prinzen überwinden und die natürliche Schönheit wiederherstellen. Das Gedicht endet mit einem Appell an den Prinzen, die Natur in ihrer ursprünglichen Form zu akzeptieren und zu respektieren.

Schlüsselwörter

prinz roccocco bäumen wald träumen lied damöt laß

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Stilmittel

Alliteration
Geht Damöt bebändert flöten
Anapher
Prinz Roccocco, Prinz Roccocco
Metapher
Und der Lenz kommt über Nacht
Personifikation
Und Damöt erschrocken schmält