Priamel
1807Ein Sänger mit rundem, weichem Tenor, Der schmelzende Arien süß trägt vor, Im Schauspiel ein liebender junger Held, Der schön deklamirt und rührend fällt, Ein Akrobat auf dem schmalen Seil Aufschreitend zum Giebel hoch und steil, Ein Offizier in schmucker Montur, Feurig blickend, schlank von Figur, Ein munterer Jäger in grünem Rock, Birschend auf Hirsch und Gemsenbock, Ein Maler mit dunklem Lockenhaar Und Augen im Kopfe frisch und klar, Ein junger Geistlicher, sanft und keck, Auf der Kanzel predigend ohne Schreck, Ein Mörder, gruselig interessant, Den Tod erwartend von Henkershand! Diese gewinnen allerwärts Ohne viel Werben ein Weiberherz.
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Interpretation
Das Gedicht "Priamel" von Friedrich Theodor Vischer beschreibt eine Reihe von Männern, die aufgrund ihrer jeweiligen Talente, Berufe oder Taten die Herzen der Frauen gewinnen. Der Dichter beginnt mit einem Sänger, der mit seinem weichen Tenor Arien vorträgt, und führt dann verschiedene Charaktere auf, wie einen jungen Schauspieler, einen Akrobaten, einen Offizier, einen Jäger, einen Maler, einen jungen Geistlichen und sogar einen Mörder. Jeder dieser Männer besitzt eine besondere Eigenschaft oder Fähigkeit, die ihn für Frauen attraktiv macht. Die Aufzählung der verschiedenen Männer zeigt die Vielfalt der Anziehungspunkte, die Frauen an Männern finden können. Vischer betont, dass diese Männer ohne großen Aufwand oder Werbung die Herzen der Frauen erobern. Dies deutet darauf hin, dass die natürlichen Eigenschaften und Fähigkeiten der Männer ausreichen, um ihre Attraktivität zu gewährleisten. Die Tatsache, dass sogar ein Mörder, der auf seinen Tod wartet, als "gruselig interessant" beschrieben wird, unterstreicht die Komplexität der menschlichen Anziehung und die Faszination, die bestimmte Charaktereigenschaften oder Schicksale auf Frauen ausüben können. Das Gedicht endet mit der Feststellung, dass diese Männer überall ohne viel Werbung die Herzen der Frauen gewinnen. Dies impliziert, dass die Anziehungskraft dieser Männer universell und unabhängig von kulturellen oder gesellschaftlichen Unterschieden ist. Vischer scheint die verschiedenen Arten von Männern und ihre jeweiligen Reize zu feiern und zu zeigen, dass es viele verschiedene Wege gibt, die Herzen der Frauen zu erobern.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Ein Sänger mit rundem, weichem Tenor
- Aufzählung
- Ein Sänger mit rundem, weichem Tenor, Der schmelzende Arien süß trägt vor, Im Schauspiel ein liebender junger Held, Der schön deklamirt und rührend fällt, Ein Akrobat auf dem schmalen Seil Aufschreitend zum Giebel hoch und steil, Ein Offizier in schmucker Montur, Feurig blickend, schlank von Figur, Ein munterer Jäger in grünem Rock, Birschend auf Hirsch und Gemsenbock, Ein Maler mit dunklem Lockenhaar Und Augen im Kopfe frisch und klar, Ein junger Geistlicher, sanft und keck, Auf der Kanzel predigend ohne Schreck, Ein Mörder, gruselig interessant, Den Tod erwartend von Henkershand!
- Kontrast
- Ein Mörder, gruselig interessant, Den Tod erwartend von Henkershand
- Parallelismus
- Ein Sänger mit rundem, weichem Tenor, Der schmelzende Arien süß trägt vor
- Personifikation
- Diese gewinnen allerwärts Ohne viel Werben ein Weiberherz