Pogrom

Klabund

1890

Am Sonntag fällt ein kleines Wort im Dom, Am Montag rollt es wachsend durch die Gasse, Am Dienstag spricht man schon vom Rassenhasse, Am Mittwoch rauscht und raschelt es: Pogrom!

Am Donnerstag weiß man es ganz bestimmt: Die Juden sind an Rußlands Elend schuldig! Wir waren nur bis dato zu geduldig. (Worauf man einige Schlucke Wodka nimmt…)

Der Freitag bringt die rituelle Leiche, Man stößt den Juden Flüche in die Rippen Mit festen Messern, daß sie rückwärts kippen. Die Frauen wirft man in diverse Teiche.

Am Samstag liest man in der »guten« Presse: Die kleine Rauferei sei schon behoben, Man müsse Gott und die Regierung loben… (Denn andernfalls kriegt man eins in die Fresse.)

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Illustration zu Pogrom

Interpretation

Das Gedicht "Pogrom" von Klabund beschreibt die Eskalation von antisemitischen Gewalttaten in einer russischen Stadt. Es beginnt mit einem kleinen Wort im Dom am Sonntag, das sich wie ein Lauffeuer durch die Gasse verbreitet. Innerhalb weniger Tage schaukelt sich die Stimmung hoch und gipfelt in einem Pogrom am Mittwoch. Die Menschen machen die Juden für das Elend im Land verantwortlich und rechtfertigen so die Gewalt. Am Freitag kommt es dann zu den brutalen Übergriffen auf die jüdische Bevölkerung. Männer werden mit Messern niedergestochen, Frauen in Teiche geworfen. Die Grausamkeit und Willkür der Täter wird deutlich. Doch am Samstag liest man in der Presse nur von einer "kleinen Rauferei", die schon behoben sei. Die Regierung und die Medien verschweigen die Wahrheit und glorifizieren die Gewalttäter. Wer sich dagegen ausspricht, muss mit Konsequenzen rechnen. Klabund kritisiert in diesem Gedicht scharf den Antisemitismus und die Vertuschung der Pogrome durch die Behörden. Er zeigt, wie schnell sich Hass und Gewalt in der Bevölkerung ausbreiten können und wie die Mächtigen wegschauen oder sogar schüren. Das Gedicht ist eine Anklage gegen das Unrecht und ein Plädoyer für mehr Zivilcourage im Angesicht von Diskriminierung und Verfolgung.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Am Sonntag fällt ein kleines Wort im Dom, Am Montag rollt es wachsend durch die Gasse, Am Dienstag spricht man schon vom Rassenhasse, Am Mittwoch rauscht und raschelt es: Pogrom!
Ironie
Am Samstag liest man in der »guten« Presse
Metapher
Am Sonntag fällt ein kleines Wort im Dom
Parallelismus
Die Juden sind an Rußlands Elend schuldig! Wir waren nur bis dato zu geduldig.
Personifikation
Am Montag rollt es wachsend durch die Gasse
Rhetorische Frage
Denn anderenfalls kriegt man eins in die Fresse.
Übertreibung
Man stößt den Juden Flüche in die Rippen Mit festen Messern, daß sie rückwärts kippen.