Phyllis an Damon
1771Lehre mich, o Damon, singen, Singen, wie du trunken singst. Laß auch mich dir Lieder bringen, Wie du mir begeistert bringst. Wie du mich willst ewig singen, Möcht′ auch ich dich ewig singen.
Durch des Weines Feuerkräfte, Nur durch sie singst du so schön. Aber diese Göttersäfte Darf ich schmachtend nur besehn. Dir riet Venus Wein zu trinken, Mir riet sie, ihn nicht zu trinken.
Was wird nun mein Lied beleben, Kann es dieser Trank nicht sein? – Wie? Du willst mir Küsse geben? Küsse, feuriger, als Wein? – Damon, ach! nach deinen Küssen Werd′ ich wohl verstummen müssen.
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Interpretation
Das Gedicht "Phyllis an Damon" von Gotthold Ephraim Lessing ist ein lyrisches Gespräch zwischen Phyllis und Damon, das die Macht der Liebe und des Weins thematisiert. Phyllis bittet Damon, ihr das Singen beizubringen, wie er es tut, wenn er trunken ist. Sie möchte ihm ebenso inspirierte Lieder bringen, wie er sie ihr bringt. Das Gedicht zeigt die tiefe Verbindung zwischen den beiden und ihre gemeinsame Leidenschaft für die Kunst des Singens. In der zweiten Strophe erklärt Damon, dass er nur durch die Kräfte des Weins so schön singen kann. Phyllis hingegen darf den Wein nur sehnsüchtig betrachten, da Venus ihr geraten hat, ihn nicht zu trinken. Dies verdeutlicht die unterschiedlichen Rollen von Mann und Frau in der damaligen Zeit und den Einfluss von gesellschaftlichen Normen auf ihr Verhalten. In der letzten Strophe fragt Phyllis, was ihr Lied beleben soll, wenn sie den Wein nicht trinken darf. Damon bietet ihr stattdessen seine Küsse an, die feuriger als Wein sein sollen. Phyllis ist jedoch besorgt, dass sie nach seinen Küssen verstummen muss. Dies zeigt die Ambivalenz ihrer Gefühle und die Spannung zwischen ihrer Leidenschaft für das Singen und ihrer Liebe zu Damon. Das Gedicht endet mit einer ungelösten Frage, die den Leser zum Nachdenken über die Natur der Liebe und der Kunst anregt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Singen, wie du trunken singst. / Singen, wie du trunken singst.
- Hyperbel
- Damon, ach! nach deinen Küssen / Werd' ich wohl verstummen müssen.
- Kontrast
- Dir riet Venus Wein zu trinken, / Mir riet sie, ihn nicht zu trinken.
- Metapher
- Durch des Weines Feuerkräfte
- Personifikation
- Nur durch sie singst du so schön.
- Rhetorische Frage
- Was wird nun mein Lied beleben, / Kann es dieser Trank nicht sein?