Petrarch und Tasso

Luise Büchner

1837

Zu Laura′s Preise schlug Petrarch die Leier, Und all sein Denken war nur eine Feier Für , der seine ganze Seele lebt; Doch strebt′ er nie nach irdischem Besitze, Sie war die Göttin auf dem Wolkensitze, Zu der kein Sterblicher die Wünsche hebt.

So strömte Tasso aus der Liebe Quelle Der Dichtkunst heil′ge, segensreiche Welle, Für Leonore sang sein Genius. An ihrem Geiste durst′ er sich entzünden, Er war ihr nahe; ihre Blicke künden Ihm manchen tiefen, ahnungsvollen Gruß.

Da sinkt er nieder vor dem hohen Weibe, Und wird des Stolzes, wird der Rohheit Scheibe, Weil er empfand der Liebe Schmerz - Wohl mag ich staunend auf Petrarcha sehen, Den Liebessänger, frei von ird′schen Wehen - Zu Tasso aber fliegt mein ganzes Herz!

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Illustration zu Petrarch und Tasso

Interpretation

Das Gedicht "Petrarch und Tasso" von Luise Büchner kontrastiert die unerfüllte Liebe des italienischen Dichters Francesco Petrarca zu seiner Muse Laura mit der leidenschaftlichen, jedoch leidvollen Liebe des Renaissance-Dichters Torquato Tasso zu Leonore. Petrarchas Liebe bleibt rein und idealisiert, da Laura als göttliche, unerreichbare Gestalt auf einem "Wolkensitze" verweilt, zu der er in lyrischer Verehrung aufsteigt, ohne irdische Besitzansprüche zu hegen. Sein Dichten wird zur "Feier" einer Seele, die ganz in der Anbetung aufgeht. Im Gegensatz dazu strömt Tasso aus der "Liebe Quelle" eine "heil'ge, segensreiche Welle" der Dichtkunst, die tief von seiner leidenschaftlichen, leidvollen Liebe zu Leonore inspiriert ist. Er fühlt sich ihr nahe, empfängt "tiefen, ahnungsvollen Gruß" durch ihre Blicke, doch seine Hingabe macht ihn zum Spielball von "Stolz" und "Rohheit", da er den Schmerz der Liebe am eigenen Leib erfährt. Tasso wird zum leidenden Liebenden, der vor der "hohen Weibe" niedersinkt und von den irdischen Wehen der Liebe gezeichnet ist. Büchner schließt mit einer persönlichen Bekenntnis: Während sie "staunend" Petrarca sieht, "fliegt ihr ganzes Herz" zu Tasso. Damit drückt sie ihre Sympathie für die leidenschaftliche, menschliche Liebe aus, die Leid und Schönheit vereint, im Gegensatz zur rein idealisierten, distanzierten Liebe Petrarchas. Das Gedicht reflektiert über die verschiedenen Facetten der Liebe und deren Auswirkungen auf das Schaffen und die Seele der Dichter.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Hyperbel
Zu Tasso aber fliegt mein ganzes Herz
Kontrast
Wohl mag ich staunend auf Petrarcha sehen, Den Liebessänger, frei von ird′schen Wehen
Metapher
Weil er empfand der Liebe Schmerz
Personifikation
all sein Denken war nur eine Feier