Petrarca
1893Ist dir die Liebe der Faden, woraus das Weltall gesponnen, Der alles Wesen und selbst Gräschen und Sterne verknüpft, Dann in Francesco vielleicht hast du den Dichter gefunden, Der das geheime Gespinnst bis an das Ende verfolgt, Aber ich sorg′, es hanget die Welt noch an anderen Dingen, Und die Lieb′ nicht allein gab ihr Bewegung und Sein. Darum mag′s dich verdrießen, wenn Laura nur wie zum Halsschmuck Himmel und Erde Petrarc′s schwärmender Sinnlichkeit trägt; Oder es langweilt dich: er leiht dir die magische Brille, Aber dein kälterer Sinn siehet zuletzt nur ein Weib.
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Interpretation
Das Gedicht Petrarca von Wilhelm Friedrich Waiblinger beschäftigt sich mit der Frage, ob die Liebe als zentrales Element der Welt und der Schöpfung gesehen werden kann. Waiblinger reflektiert über die Rolle der Liebe in der Dichtung Petrarcas und deren universelle Bedeutung. Der Dichter stellt die These auf, dass, wenn die Liebe der Faden ist, aus dem das Weltall gewoben ist, dann könnte Petrarca als der Dichter gelten, der dieses geheime Gefüge bis ins Detail verfolgt hat. Diese Vorstellung wird jedoch durch die Anerkennung relativiert, dass die Welt an anderen Dingen als nur der Liebe hängt und dass die Liebe nicht allein ihr Sein und ihre Bewegung bestimmt. Waiblinger deutet an, dass es den Lesern möglicherweise missfallen könnte, dass Petrarca in seiner Dichtung die Liebe so sehr in den Vordergrund stellt, dass Himmel und Erde nur noch als Schmuck für seine Geliebte Laura dienen. Es könnte auch langweilen, dass Petrarca dem Leser eine "magische Brille" aufsetzt, durch die alles nur noch durch die Linse der Liebe betrachtet wird. Doch am Ende sieht der kühlere, nüchternere Sinn nur noch eine Frau, was impliziert, dass die übertriebene Verklärung der Liebe in Petrarcas Werken als kitschig oder übertrieben empfunden werden könnte. Das Gedicht wirft somit die Frage auf, ob die Liebe als universelles Prinzip überbewertet wird und ob die intensive Beschäftigung mit der Liebe in der Dichtung, wie sie bei Petrarca zu finden ist, tatsächlich eine tiefe Wahrheit offenbart oder lediglich eine subjektive, möglicherweise übersteigerte Perspektive darstellt. Waiblinger scheint eine kritische Distanz zu dieser Sichtweise einzunehmen und lädt den Leser ein, über die Rolle der Liebe in der Dichtung und im Leben nachzudenken.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Himmel und Erde Petrarc′s schwärmender Sinnlichkeit trägt
- Hyperbel
- der Dichter gefunden, Der das geheime Gespinnst bis an das Ende verfolgt
- Kontrast
- Aber ich sorg′, es hanget die Welt noch an anderen Dingen
- Metapher
- Ist dir die Liebe der Faden, woraus das Weltall gesponnen
- Personifikation
- Der alles Wesen und selbst Gräschen und Sterne verknüpft
- Symbolik
- magische Brille