Perstet amicitiae semper venerabile Faedus!
1936Der Mensch hat nichts so eigen, So wohl steht ihm nichts an, Als daß er Treu erzeigen Und Freundschaft halten kann; Wann er mit seinesgleichen Soll treten in ein Band, Verspricht sich, nicht zu weichen Mit Herzen, Mund und Hand.
Die Red ist uns gegeben, Damit wir nicht allein Vor uns nur sollen leben Und fern von Leuten sein; Wir sollen uns befragen Und sehn auf guten Rat, Das Leid einander klagen So uns betreten hat.
Was kann die Freude machen, Die Einsamkeit verhehlt? Das gibt ein doppelt Lachen, Was Freunden wird erzählt; Der kann sein Leid vergessen, Der es von Herzen sagt; Der muß sich selbst auffressen, Der in geheim sich nagt.
Gott stehet mir vor allen, Die meine Seele liebt; Dann soll mir auch gefallen, Der mir sich herzlich gibt; Mit diesem Bunds-Gesellen Verlach ich Pein und Not, Geh auf den Grund der Höllen Und breche durch den Tod.
Ich hab, ich habe Hertzen So treue, wie gebührt, Die Heuchelei und Scherzen Nie wissentlich berührt; Ich bin auch ihnen wieder Von Grund der Seelen hold, Ich lieb euch mehr, ihr Brüder, Denn aller Erden Gold.
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Interpretation
Das Gedicht "Perstet amicitiae semper venerabile Faedus!" von Simon Dach handelt von der Bedeutung und dem Wert der Freundschaft. Es betont, dass der Mensch nichts Eigenes und Wertvolleres besitzt als die Fähigkeit, Treue zu zeigen und Freundschaft zu halten. Der Dichter beschreibt die Freundschaft als einen Bund, der mit Herz, Mund und Hand geschlossen wird und nicht gebrochen werden soll. Das Gedicht verdeutlicht auch die soziale Funktion der Freundschaft. Es zeigt, dass der Mensch nicht allein leben soll, sondern sich mit anderen austauschen und Rat suchen soll. Freunde sind da, um das Leid zu teilen und zu trösten. Die Freude wird durch das Teilen mit Freunden verdoppelt, während das Verbergen von Leid zu innerem Zerfressen führt. Abschließend stellt das Gedicht die Freundschaft über alles. Der Dichter stellt Gott an die erste Stelle, gefolgt von denen, die seine Seele lieben. Er betont, dass er treue Herzen besitzt, die nie von Heuchelei oder Spott berührt wurden, und dass er diese Freunde mehr liebt als alles Gold der Erde. Die Freundschaft wird als etwas Unverbrüchliches und Ewiges dargestellt, das selbst den Tod überdauert.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Mit diesem Bunds-Gesellen Verlach ich Pein und Not
- Hyperbel
- Geh auf den Grund der Höllen Und breche durch den Tod
- Kontrast
- Was kann die Freude machen, Die Einsamkeit verhehlt? Das gibt ein doppelt Lachen, Was Freunden wird erzählt
- Metapher
- Der Mensch hat nichts so eigen, So wohl steht ihm nichts an, Als daß er Treu erzeigen Und Freundschaft halten kann
- Parallelismus
- Die Heuchelei und Scherzen Nie wissentlich berührt
- Personifikation
- Gott stehet mir vor allen
- Vergleich
- Ich lieb euch mehr, ihr Brüder, Denn aller Erden Gold
- Wiederholung
- Ich hab, ich habe Hertzen So treue, wie gebührt