Peregrina

Paul Heyse

1830

I.

Nun sind die Blumen verdorrt, Die deine Hand mir brach. Was deine Lippe sprach, Blüht still im Herzen fort! …

II.

Wenn aus hohem Walde Mondenschimmer quillt, Auf die lichte Halde Wagt sich vor das Wild.

Jetzt in irrer Klage Wird die Sehnsucht laut, Die dem hellen Tage Nicht ihr Leid vertraut.

Ruft der Hirsch die Hinde, Ach, sie hört ihn bald, Wenn umsonst im Winde Mein Gesang verhallt!

III.

Schwüle Stunden! Flüsternd kaum Bebt das Laub im Sommerwinde; Vogelstimmen wie im Traum Girren im Gezweig der Linde.

Auf dem blumigen Wiesenplan Glüht und zittert Sonnenhelle; Schlummertrunken ruht der Schwan Auf des Weihers blanker Welle.

Ach, und mir in tiefster Brust Brechen auf die alten Wunden. Sehnsuchtsvoll in Qual und Lust Denk’ ich alter schwüler Stunden!

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Illustration zu Peregrina

Interpretation

Das Gedicht "Peregrina" von Paul Heyse ist ein dreiteiliges Werk, das sich mit den Themen Liebe, Sehnsucht und Natur auseinandersetzt. Im ersten Teil reflektiert der Sprecher über eine vergangene Liebe, deren Blütezeit nun vorbei ist, aber deren Erinnerung noch im Herzen weiterlebt. Die Blume, die einst von der Geliebten gepflückt wurde, ist verdorrt, doch die Worte, die sie sprach, haben eine bleibende Wirkung. Im zweiten Teil wechselt die Stimmung zu einer nächtlichen Waldlandschaft, in der die Sehnsucht des Hirsches nach seiner Hirschkuh widerhallt. Diese Sehnsucht wird mit der des Sprechers nach seiner verlorenen Liebe verglichen. Der Hirschruf in der Nacht symbolisiert die unerfüllte Liebe und das Verlangen nach einer Antwort, die möglicherweise ungehört verhallt. Der dritte Teil beschreibt eine schwüle Sommerstimmung, in der die Natur in einem Zustand der Trägheit und des Schweigens verharrt. Die Hitze und die Stille der Umgebung spiegeln die innere Unruhe des Sprechers wider, der von alten Wunden und Erinnerungen geplagt wird. Die Sehnsucht nach vergangenen Zeiten und die damit verbundene Qual und Lust werden durch die Naturbilder eindrucksvoll dargestellt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Sehnsuchtsvoll in Qual und Lust
Personifikation
Sonnenhelle glüht und zittert