Pause
1823Meine Laute hab ich gehängt an die Wand, Hab sie umschlungen mit einem grünen Band - Ich kann nicht mehr singen, mein Herz ist zu voll, Weiß nicht, wie ich′s in Reime zwingen soll. Meiner Sehnsucht allerheißesten Schmerz Durft ich aushauchen in Liederscherz, Und wie ich klagte so süß und fein, Glaubt ich doch, mein Leiden wär nicht klein. Ei, wie groß ist wohl meines Glückes Last, Daß kein Klang auf Erden es in sich faßt?
Nun, liebe Laute, ruh an dem Nagel hier! Und weht ein Lüftchen über die Saiten dir, Und streift eine Biene mit ihren Flügeln dich, Da wird mir so bange, und es durchschauert mich. Warum ließ ich das Band auch hängen so lang? Oft fliegt′s um die Saiten mit seufzendem Klang. Ist es der Nachklang meiner Liebespein? Soll es das Vorspiel neuer Lieder sein?
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Interpretation
Das Gedicht "Pause" von Wilhelm Müller handelt von einem lyrischen Ich, das seine Laute an die Wand hängt und nicht mehr singen kann. Das Herz ist zu voll, und es fällt dem Ich schwer, seine Gefühle in Reime zu zwingen. Das Ich hat zuvor seine Sehnsucht und seinen Schmerz in Liedern ausgedrückt, aber es glaubte nicht, dass sein Leiden klein war. Nun ist das Glück so groß, dass kein Klang auf Erden es erfassen kann. Das Ich spricht seine Laute an und bittet sie, an dem Nagel zu ruhen. Es fürchtet sich jedoch, wenn ein Lüftchen über die Saiten streicht oder eine Biene mit ihren Flügeln darüber streift. Das Ich fragt sich, warum es das Band so lange hängen ließ, da es oft um die Saiten mit seufzendem Klang fliegt. Es fragt sich, ob es der Nachklang seiner Liebespein ist oder das Vorspiel neuer Lieder. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der Unsicherheit und des Zweifels. Das Ich ist unsicher, ob es seine Gefühle in Liedern ausdrücken kann oder ob es besser ist, die Laute ruhen zu lassen. Es gibt einen Konflikt zwischen der Sehnsucht nach Ausdruck und der Angst vor dem Scheitern. Das Gedicht endet mit einer offenen Frage, die den Leser zum Nachdenken anregt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Meine Laute hab ich gehängt an die Wand
- Hyperbel
- Daß kein Klang auf Erden es in sich faßt
- Metapher
- Meine Laute hab ich gehängt an die Wand
- Personifikation
- Und weht ein Lüftchen über die Saiten dir
- Rhetorische Frage
- Soll es das Vorspiel neuer Lieder sein?