Partenkirchen
1890Müde bin ich, ach, der städtischen Sterne. Bräunliches Frühlingslaub dunkelt im Kalterer-Wein. Mein Blut spritzt morgenrot über die Berge, Zwei Herzen balanciere ich an einer langen Stange seiltragend zwischen Zugspitze und Kramer.
Auf dem Riessersee schwebt eine rote Jacke. Zwei schlanke Füße ritzen eislaufend meine Wange. Ein Münchener Rechtsanwalt begrüßt mich freundlich funkelnd. Ewig bin ich allein, Mädchen, trotz deiner selig mir zuspringenden Brüste.
Weil ich keine Zentralheizung in meinem Zimmer habe friere ich sehr. Ich lese im Bett die Annoncen der »Münchener Neuesten Nachrichten«, um eine Stellung zu finden. Eine Stellung als Freund. Oder als Diener vielleicht, Dienend in Sanftmut einem redlichen Gott.
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Interpretation
Das Gedicht "Partenkirchen" von Klabund thematisiert die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach einer tieferen Verbundenheit und einem sinnvollen Leben. Die städtische Welt mit ihren "städtischen Sternen" erscheint ermüdend und oberflächlich, während die Natur in Partenkirchen mit ihrem "bräunlichen Frühlingslaub" und den "morgenroten" Bergen eine Art Erweckung verspricht. Doch auch hier bleibt das Ich letztlich einsam und auf der Suche. Das lyrische Ich scheint zwischen zwei Welten zu balancieren, symbolisiert durch die "zwei Herzen" an einer "langen Stange" zwischen Zugspitze und Kramer. Es gibt einen kurzen Moment der Freude und des Kontakts, als eine rote Jacke auf dem Riessersee schwebt und zwei Füße das Gesicht berühren. Doch diese flüchtige Verbindung reicht nicht aus, um die Einsamkeit zu überwinden, wie die Zeile "Ewig bin ich allein, Mädchen, trotz deiner selig mir zuspringenden Brüste" deutlich macht. Das Gedicht endet mit einer resignierten Note. Das Ich sitzt in seinem kalten Zimmer und liest die Annoncen der "Münchener Neuesten Nachrichten", um eine "Stellung" zu finden. Diese Stellung könnte sowohl eine berufliche Position als auch eine Rolle in einer Beziehung bedeuten. Letztlich scheint das Ich jedoch bereit zu sein, sich in Sanftmut einem "redlichen Gott" zu dienen, was auf eine spirituelle Suche hindeutet, die über die weltlichen Wünsche hinausgeht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Weil ich keine Zentralheizung in meinem Zimmer habe friere ich sehr
- Hyperbel
- Ewig bin ich allein, Mädchen, trotz deiner selig mir zuspringenden Brüste
- Metapher
- Eine Stellung als Freund. Oder als Diener vielleicht, Dienend in Sanftmut einem redlichen Gott
- Personifikation
- Ein Münchener Rechtsanwalt begrüßt mich freundlich funkelnd