Parfum Tubéreuse

Lisa Baumfeld

unknown

»Mon âme voltige sur les parfums …« (Baudelaire.)

Ich will aus schwerem Duft und Sünden Ein süsses Zauberreich begründen. Und tödten will ich Schmerz und Seele. Und glücklich sein, wenn ich dich quäle!

Sieh′, droben die zitternden, grausamen Sterne, Die gähnende, schwindelnde, ewige Ferne, Und alles, was oft mich durchgraut und umflirrt, Und was die Gedanken zum Wahnsinn verwirrt - Es will mich erfassen, durchfiebern, umkrallen…

O! lass′ die Gardine, die rauschende, fallen! Und lehn′ dich so träg′ an den weiten Kamin Ge′nüber der Ottomane hin! Ich will mich in die Seide schmiegen, Den Kopf so müde seitwärts biegen, Wie du es liebst …

Zurückgelehnt. Ganz still und schmerzlich süss versehnt, Umhaucht von fliederheller Seide, Umzuckt von flackerndem Geschmeide, Berauscht von dem eig′nen berauschenden Leib … Ganz Schönheit und Lächeln … und Märchen und Weib …

Die Ampel webt ihren blassrothen Schein, Das Feuer knistert so heimlich darein, Aus all den zärtlichen Falten quillt Ein lähmend süsser Hauch, und schwillt Die rothe Luft … so eng, so heiss …

Du starrst mich trostlos an … ich weiss! Mein Duft, und wie ich oft gelacht, Das hat dich so trostlos … so elend gemacht!

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Illustration zu Parfum Tubéreuse

Interpretation

Das Gedicht "Parfum Tubéreuse" von Lisa Baumfeld thematisiert die Ambivalenz von sinnlicher Verführung und seelischer Zerrüttung. Die Sprecherin strebt danach, aus "schwerem Duft und Sinnen" ein "süsses Zauberreich" zu erschaffen, wobei sie jedoch auch Schmerz und Seele töten und durch Quälerei Glück empfinden will. Dies deutet auf eine dunkle, zerstörerische Seite der sinnlichen Erfahrung hin. Die zweite Strophe beschreibt den überwältigenden Einfluss der äußeren Welt, symbolisiert durch die "zitternden, grausamen Sterne" und die "ewige Ferne". Diese Elemente versuchen, die Sprecherin zu erfassen und zu verwirren, was als Bedrohung ihrer inneren Ruhe interpretiert werden kann. Der Wunsch, die "rauschende Gardine fallen zu lassen", signalisiert den Versuch, sich vor diesen äußeren Einflüssen zu schützen und sich in einen intimen, geschützten Raum zurückzuziehen. In der finalen Strophe kulminiert das Gedicht in einer dichten Atmosphäre aus Sinnlichkeit und Verführung. Die Sprecherin präsentiert sich als Inbegriff von Schönheit und Weiblichkeit, umgeben von Seide, Geschmeide und dem eigenen "berauschenden Leib". Der "blassrote Schein" der Ampel und das "heimliche" Knistern des Feuers verstärken die erotische Stimmung. Doch der Schluss offenbart die bittere Ironie dieser Verführung: Der Duft und das Lacken der Sprecherin haben den Adressaten "trostlos" und "elend" gemacht, was die zerstörerische Potenz der dargestellten Sinnlichkeit unterstreicht.

Schlüsselwörter

will duft oft seide ganz trostlos mon voltige

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Stilmittel

Alliteration
schwerem Duft und Sünden
Bildsprache
Umhaucht von fliederheller Seide
Hyperbel
Und was die Gedanken zum Wahnsinn verwirrt
Kontrast
trostlos ... so elend
Metapher
Mein Duft, und wie ich oft gelacht
Personifikation
Die Ampel webt ihren blassroten Schein
Symbolik
Die zitternden, grausamen Sterne