Pansmusik

Oskar Loerke

unknown

Ein Floß schwimmt aus dem fernen Himmelsrande, Drauf tönt es dünn und blass Wie eine alte süße Sarabande. Das Auge wird mir nass.

Es ist, wie wenn den weiten Horizonten Die Seele übergeht, Der Himmel auf den Ebnen, den besonnten, Aufhorcht wie ein Prophet

Und eine arme Weise in die Ohren Der höhern Himmel spricht: Das Spielen wankt, im Spielen unverloren, Das Licht wankt durch das Licht.

Heut fährt der Gott der Welt auf einem Floße, Er sitzt auf Schilf und Rohr Und spielt die sanfte, abendliche, große, Und spielt die Welt sich vor.

Er spielt das große Licht der Welt zur Neige, Tief aus sich her den Strom Durch Ebnen mit der Schwermut langer Steige Und Ewigkeitsarom.

Er baut die Ebenen und ihre Städte Mit weichen Mundes Ton Und alles Werden bis in diese späte Verspieltsein und Verlohn:

Doch alles wie zu stillendem Genusse Den Augen bloß, dem Ohr. So fährt er selig auf dem großen Flusse Und spielt die Welt sich vor.

So fährt sein Licht und ist bald bei den größern, Orion, Schwan und Bär: Sie alle scheinen Flöße schon mit Flößern Der Welt ins leere Meer.

Bald wird die Grundharmonika verhallen, Die Seele schläft mir ein, Bald wird der Wind aus seiner Höhe fallen, Die Tiefe nicht mehr sein.

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Illustration zu Pansmusik

Interpretation

Das Gedicht "Pansmusik" von Oskar Loerke ist ein eindringliches und atmosphärisches Werk, das den Leser in eine mystische Welt entführt. Das Gedicht beschreibt eine Art musikalische Reise auf einem Floß, die den Leser in einen Zustand der Kontemplation und des Nachdenkens versetzt. Die Sprache ist poetisch und bildhaft, mit einer starken Betonung auf Klang und Rhythmus. Die erste Strophe des Gedichts setzt die Szene mit einem Floß, das aus dem fernen Himmelsrande schwimmt. Die Musik, die von diesem Floß ertönt, wird als dünn und blass beschrieben, aber auch als eine "alte süße Sarabande". Diese Beschreibung erzeugt eine Atmosphäre der Nostalgie und des Verlangens nach etwas Verlorenem. Die zweite Strophe erweitert die Szene, indem sie den Horizont und den Himmel beschreibt, die "wie ein Prophet" aufhorchen. Dies verstärkt das Gefühl der Ehrfurcht und des Staunens, das das Gedicht erzeugt. Die dritte Strophe führt den "Gott der Welt" ein, der auf einem Floß sitzt und eine "sanfte, abendliche, große" Musik spielt. Dies ist ein mächtiges Bild, das den Leser in eine Welt der Mythen und Legenden entführt. Die Musik, die dieser Gott spielt, wird als eine Art Schöpfungsmusik beschrieben, die die Welt und alles in ihr "verspielt" und "verlohnt". Dies deutet darauf hin, dass das Gedicht eine Art Schöpfungsmythos ist, in dem die Musik als eine Kraft der Schöpfung und des Wandels dargestellt wird. Die letzte Strophe des Gedichts bringt die Reise zu einem Ende, indem sie beschreibt, wie das Licht des Gottes "bei den größern" ankommt, einschließlich der Sternbilder Orion, Schwan und Bär. Dies deutet darauf hin, dass die Reise des Gottes und seiner Musik die ganze Welt umfasst, von den kleinsten Details bis hin zu den größten Strukturen des Universums. Das Gedicht endet mit einer Art Auflösung, in der die "Grundharmonika" verhallt und die "Seele schläft ein". Dies könnte als eine Art Rückkehr zur Normalität interpretiert werden, nachdem der Leser in die mystische Welt des Gedichts entführt wurde.

Schlüsselwörter

welt licht spielt fährt bald seele himmel ebnen

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Stilmittel

Metapher
Bald wird der Wind aus seiner Höhe fallen
Personifikation
Die Seele schläft mir ein
Vergleich
Sie alle scheinen Flöße schon mit Flößern