Ostersamstag

Christian Wagner

1835

Wie die Frauen Zions wohl dereinst beim matten Grauen Jenes Trauertags beisammen standen, Worte nicht mehr, nur noch Tränen fanden;

So noch heute, Stehen als in ferne Zeit verstreute Bleiche Zionstöchter, Anemonen, In des Nordens winterlichen Zonen:

Vom Gewimmel Dichter Flocken ist er trüb der Himmel; Traurig stehen sie die Köpfchen hängend, Und in Gruppen sich zusammendrängend.

Also einsam, Zehn und zwölfe hier so leidgemeinsam, Da und dort verstreut auf grauer Oede, Weiße Tüchlein aufgebunden Jede.

Also trauernd, Innerlich vor Frost zusammenschauernd, Stehn alljährlich sie als Klagebildniß In des winterlichen Waldes Wildniß

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Illustration zu Ostersamstag

Interpretation

Das Gedicht "Ostersamstag" von Christian Wagner thematisiert die Verbindung zwischen den trauernden Frauen von Jerusalem und den Anemonen in der nordischen Winterlandschaft. Es vergleicht die Frauen, die am Karfreitag bei Tagesanbruch zusammenstanden und nur noch Tränen fanden, mit den bleichen Anemonen, die in den winterlichen Zonen des Nordens verstreut stehen. Der Autor verwendet diese Analogie, um die Einsamkeit und Trauer der Blumen darzustellen, die in dichten Schneeflocken unter einem trüben Himmel stehen. Die Anemonen werden als "bleiche Zionstöchter" bezeichnet, was ihre Verbindung zu den Frauen von Jerusalem verstärkt. Sie stehen mit hängenden Köpfen und drängen sich in Gruppen zusammen, was ihre gemeinsame Trauer und Kälte symbolisiert. Das Gedicht beschreibt, wie die Blumen jedes Jahr als "Klagebildnis" im winterlichen Wald stehen, was ihre beständige Trauer und Einsamkeit unterstreicht. Die weißen Tücher, die jede Blume umgebunden hat, könnten als Zeichen ihrer Trauer interpretiert werden. Die Sprache des Gedichts ist sehr bildhaft und emotional. Die Wiederholung von Wörtern wie "also" und "trauernd" betont die anhaltende Trauer der Anemonen. Die Verwendung von Metaphern wie "Klagebildnis" und "winterliche Wildnis" verstärkt die düstere und traurige Atmosphäre des Gedichts. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefere Bedeutung über die Natur der Trauer und die beständige Präsenz von Verlust und Einsamkeit in der Welt.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Wie die Frauen Zions wohl dereinst beim matten Grauen
Bildsprache
Bleiche Zionstöchter, Anemonen
Kontrast
In des Nordens winterlichen Zonen
Metapher
Zions wohl dereinst beim matten Grauen
Personifikation
Stehen als in ferne Zeit verstreute Bleiche Zionstöchter
Symbolik
Weiße Tüchlein aufgebunden Jede
Vergleich
Wie die Frauen Zions wohl dereinst beim matten Grauen