Ostern
1883Wenn die Schokolade keimt, Wenn nach langem Druck bei Dichterlingen “Glockenklingen” sich auf “Lenzesschwingen” Endlich reimt, Und der Osterhase hinten auch schon preßt, Dann kommt bald das Osterfest.
Und wenn wirklich dann mit Glockenklingen Ostern naht auf Lenzesschwingen, - - - Dann mit jenen Dichterlingen Und mit deren jugendlichen Bräuten Draußen schwelgen mit berauschten Händen - - - Ach, das denk ich mir entsetzlich, Außerdem - - unter Umständen - Ungesetzlich.
Aber morgens auf dem Frühstückstische Fünf, sechs, sieben flaumweich gelbe, frische Eier. Und dann ganz hineingekniet! Ha! Da spürt man, wie die Frühlingswärme Durch geheime Gänge und Gedärme In die Zukunft zieht, Und wie dankbar wir für solchen Segen Sein müssen.
Ach, ich könnte alle Hennen küssen, Die so langgezogene Kugeln legen.
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Interpretation
Das Gedicht "Ostern" von Joachim Ringelnatz thematisiert auf humorvolle und satirische Weise die Ankunft des Osterfestes und die damit verbundenen Traditionen. Ringelnatz beginnt mit einer ironischen Betrachtung der literarischen Vorbereitungen auf Ostern, wobei er die Anstrengungen der Dichter aufs Korn nimmt, die sich mühsam Reime zurechtlegen. Er karikiert die oft übertriebene und klischeehafte Sprache, die mit dem Frühling und Ostern in Verbindung gebracht wird, wie "Glockenklingen" und "Lenzesschwingen". Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich Ringelnatz der Frage zu, wie das Osterfest eigentlich gefeiert werden sollte. Er imaginiert eine ausgelassene Feier mit Dichtern und ihren Bräuten, die draußen schwelgen und sich in berauschten Händen halten. Doch diese Vorstellung erscheint ihm entsetzlich und möglicherweise sogar ungesetzlich. Hier kritisiert Ringelnatz die oft übertriebene und ausschweifende Art der Feierlichkeiten, die vom eigentlichen Sinn des Osterfestes ablenken können. Im letzten Abschnitt des Gedichts lenkt Ringelnatz den Fokus auf die einfache Freude am Osterfrühstück mit frischen Eiern. Er beschreibt, wie man sich in die Eier hineinkniet und die Frühlingswärme spürt, die durch geheime Gänge und Gedärme in die Zukunft zieht. Diese einfache, aber tief empfundene Freude am Leben und am Frühling ist es, die Ringelnatz als den wahren Segen des Osterfestes ansieht. Er drückt seine Dankbarkeit für diesen Segen aus und erklärt, dass er alle Hennen küssen könnte, die so langgezogene Kugeln legen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Durch geheime Gänge und Gedärme In die Zukunft zieht
- Binnenreim
- Fünf, sechs, sieben flaumweich gelbe, frische Eier
- Ironie
- Ach, ich könnte alle Hennen küssen, Die so langgezogene Kugeln legen
- Metapher
- "Glockenklingen" sich auf "Lenzesschwingen"
- Personifikation
- Wenn die Schokolade keimt