Ohne falsche Zeugen

Oskar Loerke

1934

Das Mondlicht räumt den Alltag aus. Es knackt im Holz: Ein alter Wald geht durch das Haus.

In seine Einsamkeit entzückt, Bin ich es noch, Der seinen Stuhl zum Tische rückt?

Die Eiche zeigt ihr Astgeweih, Mein Rosenglas Setzt unter ihm sein Totes bei.

Um diesen Blätterfall vermehrt, Erglänzt das Licht Des Leuchtens, das kein Blick versehrt.

Von keines Zeugen Ohr bezeugt, Schwebt aus dem Wald Ein Klingen, das den Kopf mir beugt.

Erkennst du uns? Schön lebt es fort, Wir hören gut, Kein falscher Bürge trübt dein Wort.

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Illustration zu Ohne falsche Zeugen

Interpretation

Das Gedicht "Ohne falsche Zeugen" von Oskar Loerke beschreibt eine nächtliche Szene, in der der Alltag durch das Mondlicht vertrieben wird und ein alter Wald durch das Haus zu dringen scheint. Der Sprecher fühlt sich in die Einsamkeit des Waldes versetzt und fragt sich, ob er noch Herr seiner selbst ist, während er seinen Stuhl zum Tisch rückt. Die Eiche mit ihrem Astgeweih und das Rosenglas, das "sein Totes" setzt, symbolisieren die Vergänglichkeit und das Sterben, das in dieser Nacht präsent ist. Das Gedicht thematisiert die Schönheit und das Leuchten, das in dieser Nacht erstrahlt und von keinem Blick beschädigt werden kann. Ein Klingen aus dem Wald schwebt herüber und beugt den Kopf des Sprechers, als ob es ihn in seinen Bann zieht. In der letzten Strophe wendet sich der Sprecher direkt an den Leser oder eine andere Person und fragt, ob diese ihn erkennt. Die Schönheit lebt fort, und sie hören gut zu, ohne dass ein falscher Bürge oder Zeuge ihre Worte trübt. Das Gedicht vermittelt eine mystische und transzendente Atmosphäre, in der die Grenzen zwischen Mensch und Natur, Leben und Tod verschwimmen.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Metapher
Kein falscher Bürge trübt dein Wort.
Personifikation
Das Mondlicht räumt den Alltag aus.
Rhetorische Frage
Erkennst du uns?