Oh wunderbares, tiefes Schweigen...

Joseph von Eichendorff

1788

Oh wunderbares, tiefes Schweigen, wie einsam ist`s doch auf der Welt! Die Wälder nur sich leise neigen, als ging der Herr durchs stille Feld. Ich fühl mich recht wie neu erschaffen. Wo ist die Sorge, wo die Not? Was mich noch gestern wollt erschlaffen- ich schäm mich des im Morgenrot. Die Welt mit ihrem Gram und Glücke will ich,ein Pilger, frohbereit betreten nur wie eine Brücke zu Dir, Herr, übern Strom der Zeit.

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Interpretation

Das Gedicht "Oh wunderbares, tiefes Schweigen..." von Joseph von Eichendorff beschreibt die tiefe Ruhe und Einsamkeit der Natur, die den Sprecher in einen Zustand der Erneuerung und Gelassenheit versetzt. Die Wälder, die sich "leise neigen", als ob der Herr durch das stille Feld geht, vermitteln eine heilige Atmosphäre, die den Sprecher neu erschaffen fühlen lässt. Die Sorgen und Nöte, die ihn noch am Vortag zu überwältigen drohten, erscheinen im Licht des neuen Tages lächerlich und unwichtig. Die Welt mit ihren Höhen und Tiefen, ihrem Kummer und Glück, wird vom Sprecher als Pilger betrachtet, der bereit ist, sie mit Freude zu durchschreiten. Die Welt wird als Brücke dargestellt, die den Sprecher zu Gott, dem Herrn, über den Strom der Zeit führt. Diese metaphorische Brücke symbolisiert den Übergang vom Irdischen zum Göttlichen und den Lebensweg des Menschen, der letztendlich zu Gott führt. Das Gedicht vermittelt eine tiefe spirituelle Erfahrung, die in der Stille der Natur gefunden wird. Es zeigt, wie die Einsamkeit und Ruhe der Natur den Sprecher zu einer erneuerten Beziehung zu Gott führen. Die Natur dient als Vermittler zwischen dem Menschen und dem Göttlichen, und die Stille ermöglicht es dem Sprecher, die Welt und ihre Probleme in einem neuen Licht zu sehen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
mit ihrem Gram und Glücke
Bildsprache
Ich fühl mich recht wie neu erschaffen
Hyperbel
Oh wunderbares, tiefes Schweigen
Kontrast
Die Welt mit ihrem Gram und Glücke
Metapher
zu Dir, Herr, übern Strom der Zeit
Personifikation
Die Wälder nur sich leise neigen, als ging der Herr durchs stille Feld.
Symbolik
Morgenrot
Wiederholung
Wo ist die Sorge, wo die Not?