Oft, wenn wir ruhen

Adolf Friedrich Graf von Schack

1815

Oft, wenn wir ruhen Mund an Mund Und meine Adern an die deinen pochen, Nach innen lausch’ ich plötzlich still; Ich fühle, wie aus unsrer Seele Grund Ein Wort, noch nie auf Erden ausgesprochen, Empor sich ringen will.

O! der Natur Geheimnis ruht Und alles Lebens in dem Wort beschlossen, Doch matt bisher noch ist’s verhallt. Höher aufflammen lass der Küsse Glut, Dass es zuletzt, in vollen Klang ergossen, Von unsern Lippen wallt!

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Interpretation

Das Gedicht "Oft, wenn wir ruhen" von Adolf Friedrich Graf von Schack handelt von der tiefen Verbundenheit zweier Menschen in einem intimen Moment. Die ersten Zeilen beschreiben eine Szene, in der sich die Sprecherin und ihr Partner in einem liebevollen Umarmen befinden, wobei ihre Herzen und Seelen miteinander verschmelzen. Die Intimität des Augenblicks ermöglicht es der Sprecherin, in sich selbst zu horchen und eine tiefe Erkenntnis zu gewinnen. In den folgenden Zeilen wird diese Erkenntnis näher erläutert. Die Sprecherin fühlt, wie aus der Tiefe ihrer Seele ein Wort emporsteigt, das noch nie zuvor auf Erden ausgesprochen wurde. Dieses Wort birgt das Geheimnis der Natur und das Wesen des Lebens in sich. Doch bisher ist es nur als leises Echo wahrnehmbar, das sich noch nicht vollständig entfalten konnte. Die letzten Zeilen des Gedichts drücken den Wunsch aus, dieses verborgene Wort durch die Leidenschaft des Kusses zum Leben zu erwecken. Die Sprecherin bittet darum, dass die Glut der Küsse immer intensiver wird, damit das geheimnisvolle Wort schließlich in voller Klangfülle von ihren Lippen erklingt. Auf diese Weise soll die tiefe Verbundenheit der Liebenden und das Wesen des Lebens selbst in einem einzigen, noch unbekannten Wort zum Ausdruck kommen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Höher aufflammen lass der Küsse Glut
Personifikation
Ein Wort, noch nie auf Erden ausgesprochen, Empor sich ringen will