Oft aus den tiefen Schächten der Nacht

Maria Luise Weissmann

1922

Oft aus den tiefen Schächten der Nacht Steigst Du empor: Dir trieft Dunkel Schweigens Gewässer Aus dem verworrenen Haar.

Oft vor der Röte des Morgens Steht das Gebirg, Deine Stirn, Schweifender Hang der Wange um Deines Mundes vereisten Grat.

Abends dämmert Dein Schatten oft. Tief aus dem Spiegel des Sees, Blicklosen Blickes hebt Sich Dein goldenes Auge auf.

Allein im Mittag seh ich Dich Beweglich, flüchtigen Fußes Ziehn wie die Zeit. Du schüttelst Lächelnd Hände und Haupt.

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Illustration zu Oft aus den tiefen Schächten der Nacht

Interpretation

Das Gedicht "Oft aus den tiefen Schächten der Nacht" von Maria Luise Weissmann handelt von der facettenreichen Erscheinung einer Person, die als universelles, zeitloses Wesen dargestellt wird. Die lyrische Ich-Perspektive beschreibt die Person in verschiedenen Tageszeiten und Stimmungen, wobei sie stets mit der Natur verglichen wird. Die Person erscheint als geheimnisvoll und rätselhaft, mit einem Hauch von Melancholie und Einsamkeit. Die erste Strophe beschreibt die Person, die aus der Nacht emporsteigt, mit dunklem Schweigen, das aus ihrem verworrenen Haar tropft. Dies könnte auf eine traurige oder nachdenkliche Stimmung hindeuten. In der zweiten Strophe wird die Person als Gebirge dargestellt, mit einer Stirn wie ein Berg und einer Wange wie ein Hang. Der Mund wird als vereister Grat beschrieben, was auf Kälte oder Distanz hindeuten könnte. Die dritte Strophe zeigt die Person als Schatten, der sich aus dem Spiegel eines Sees erhebt, mit einem goldenen Auge. Dies könnte auf eine geheimnisvolle oder magische Qualität der Person hinweisen. In der letzten Strophe wird die Person als beweglich und flüchtig beschrieben, die wie die Zeit zieht und dabei lächelnd Hände und Haupt schüttelt. Dies könnte auf eine lebendige und dynamische Persönlichkeit hindeuten, die sich nicht festlegen lässt. Insgesamt vermittelt das Gedicht den Eindruck einer vielschichtigen und rätselhaften Person, die in verschiedenen Facetten und Stimmungen erscheint. Die Naturbilder und Vergleiche tragen zur Mystik und Schönheit der Person bei und lassen den Leser über die wahre Natur und Bedeutung dieser Person nachdenken.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
[Schweifender Hang der Wange Deines Mundes vereisten Grat]
Bildsprache
[Steigst Du empor Gebirg, Deine Stirn Blicklosen Blickes hebt Sich Dein goldenes Auge auf Beweglich, flüchtigen Fußes]
Metapher
[aus den tiefen Schächten der Nacht Dunkel Schweigens Gewässer Schweifender Hang der Wange Deines Mundes vereisten Grat Dein goldenes Auge Ziehn wie die Zeit]
Personifikation
[Dunkel Schweigens Gewässer Du schüttelst Lächelnd Hände und Haupt]
Vergleich
[Ziehn wie die Zeit]