Officiosus Amor
1936Nimfe, gieb mir selbst den Mund, So wird mir dein Hertze kundt, Reich mir deiner Armen Band, Der gewünschten Liebe Pfand!
Denn, so lange du noch nicht Mir gehorchen wirst, mein Liecht, Wird dein Lieben nur ein Schein Vnd vor nichts zu achten seyn.
Trewe Lieb’ ist jederzeit Zu gehorsamen bereit, Hat Ihr Thun gerichtet hinn Auff des Liebsten Hertz vnd Sinn.
Glut bricht von sich selbst hervor Vnd stösst jhre Flamm empor, Wo sich Rauch vnd Dampff nur findt, Muß vergehn durch Lufft vnd Wind.
Schämst du aber dich vor mir, So gedencke, meine Zier, Daß ich das bin, was du bist, Vnd werd’ jetzt nicht erst geküsst!
Wo ich mich, gleich wie du wol Auch mit andern schämen sol, Würde nicht die gantze Welt In gar kurtzer Zeit gefällt?
Venus hat sich, wie bekannt, Zum Adonis selbst gewandt, Vnd mit jhm so manche Nacht In der Liebe zugebracht.
Komm, der Mond am Firmament Hat sich schon zu vns gewendt, Komm, die Nacht kömpt auch heran Da sich küsset was nur kan!
Morgen, hör ich, wilst du fort Von vns an ein frembdes Orth, Vnd wer weiß auff welchen Tag Ich dich wieder sprechen mag;
Darumb Hertz mich ohne schew, Daß ich deiner Inndenck sey! Ich bitt’ einmal noch jetzund: Nymfe, gib mir selbst den Mund!
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Officiosus Amor" von Simon Dach ist ein leidenschaftliches Plädoyer eines Liebenden an seine Angebetete. Der Sprecher, der vermutlich ein Mann ist, bittet die Nymphe, ihm den Mund zu geben, um so ihre Liebe und Zuneigung zu erfahren. Er betont, dass wahre Liebe immer bereit ist, zu gehorchen und den Willen des Geliebten zu erfüllen. Die Glut der Liebe soll von selbst hervorbrechen und die Flamme der Leidenschaft entfachen. Der Sprecher argumentiert, dass es keine Schande sei, sich zu küssen und zu lieben, da er und die Nymphe im Grunde gleich seien. Er verweist auf das Beispiel der Venus und des Adonis, die sich ebenfalls der Liebe hingaben. Die Nacht wird als günstige Zeit für die Liebe dargestellt, da der Mond sich bereits zu ihnen gewendet hat. Der Sprecher drängt die Nymphe, sich ihm jetzt zu öffnen, da er morgen abreisen wird und nicht weiß, wann er sie wiedersehen wird. Das Gedicht endet mit einer erneuten Bitte des Sprechers an die Nymphe, ihm den Mund zu geben. Er betont die Dringlichkeit seiner Bitte und die Bedeutung dieses Moments für ihn. Die Wiederholung der Bitte am Ende des Gedichts unterstreicht die Intensität der Gefühle des Sprechers und seine Sehnsucht nach der Liebe der Nymphe.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anrede
- Nimfe, gieb mir selbst den Mund
- Anspielung
- Venus hat sich, wie bekannt, / Zum Adonis selbst gewandt
- Appell
- Komm, der Mond am Firmament / Hat sich schon zu vns gewendt
- Kontrast
- Wird dein Lieben nur ein Schein / Vnd vor nichts zu achten seyn
- Metapher
- Der gewünschten Liebe Pfand
- Personifikation
- Glut bricht von sich selbst hervor
- Vergleich
- Wo ich mich, gleich wie du wol / Auch mit andern schämen sol
- Wiederholung
- Nimfe, gib mir selbst den Mund!
- Zeitdruck
- Morgen, hör ich, wirst du fort / Von vns an ein frembdes Orth