Ode an Sebastian

Maria Luise Weissmann

1929

Oh, Du warst Baum! Darinnen Vögel schliefen. Winde sich hold vermählten. Leoparden bogen kühl. Ein Lamm, Gewölk, lag leicht an Dich gebettet, Auch warst Du weit, daß fernster Städte Dach Noch Deiner Zweige Schatten überwölbte. Oh, Du warst weit! Ich konnte Deinen Wurzeln, die Den Ball, verspielte Hände, eng umschlangen, nicht Entgehen; Knöchel sank und blutete betränt. Und Du warst groß! Es hing der Abendstern an Dir Und losch vergrämt, als Du mit Stürmen Dich besprachst, Du trugst die Sonne auf erhobnem Haupt, Nacht sank in Trauer, da Du es geneigt.

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Illustration zu Ode an Sebastian

Interpretation

Das Gedicht "Ode an Sebastian" von Maria Luise Weissmann ist eine lyrische Hommage an eine Person namens Sebastian, die mit den Eigenschaften eines Baumes verglichen wird. Der Baum symbolisiert Stärke, Weite und Größe, während er gleichzeitig Schutz und Geborgenheit bietet. Die Vögel, die in dem Baum schlafen, stehen für Ruhe und Frieden, während der Wind, der sich "hold vermählt", für Harmonie und Verbundenheit steht. Die Leoparden, die sich kühl biegen, könnten auf die Fähigkeit des Baumes hinweisen, auch wilde und mächtige Kräfte zu bändigen. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Weite des Baumes betont, die sogar die Dächer der fernsten Städte überschattet. Dies unterstreicht die universelle Präsenz und den Einfluss von Sebastian. Die Wurzeln des Baumes, die den Ball "verspielte Hände" umschlingen, könnten auf die Verbundenheit mit der Erde und die Verbundenheit mit anderen Lebewesen hinweisen. Der Knöchel, der "blutet betränt", könnte auf eine Verletzung oder einen Verlust hindeuten, der durch die Nähe zu Sebastian entstanden ist. Im letzten Teil des Gedichts wird die Größe des Baumes betont, der den Abendstern trägt und mit den Stürmen spricht. Die Sonne, die auf dem erhobenen Haupt des Baumes getragen wird, symbolisiert die Kraft und die Strahlkraft von Sebastian. Die Nacht, die in Trauer sinkt, wenn der Baum sich neigt, könnte auf die tiefe emotionale Verbindung zwischen dem Sprecher und Sebastian hinweisen. Insgesamt ist das Gedicht eine poetische und metaphorische Darstellung der Bewunderung und Verehrung für Sebastian, die durch die Naturbilder und die Vergleiche mit dem Baum zum Ausdruck gebracht wird.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Ein Lamm, Gewölk, lag leicht an Dich gebettet.
Hyperbel
Oh, Du warst weit! Ich konnte Deinen Wurzeln, die den Ball, verspielte Hände, eng umschlangen, nicht entgehen.
Metapher
Es hing der Abendstern an Dir.
Personifikation
Nacht sank in Trauer, da Du es geneigt.