Ode an die Zeit

Peter Hille

1878

Sei mir gegrüßt, o Zeit, Gegrüßt du fließendes Meer, Sei gegrüßt, Du Meer der Zeit!

Ungestadet Rollst du dahin, Fällst erzener Woge, Schnellst wie ein Pfeil Hinein in der Zukunft Nichtigen Raum. Es rollten die Welten Aus Schöpferhand Ins endlose Blau, Da kommst du geglitten Von Fingern der Allmacht Im Riesensturz, Wogtest unter das Sonnen- Unter das Erdenheer. Sausend vom Gottespuls, Hobest dich stolz Unter glänzenden Sphären Und rolltest sie weiter, Schwimmende Inseln, Rollst sie noch jetzt. Auf erster erobernder Welle Trägst du die Welten, Trägst du mich, Trägst du mein Lied. Auf deiner Wogen Erster Schwebt es dahin. Höre das Lied Und hebe mich, Wenn sinken ich sollte Auf Ruhmeswarte Flutüberragendem Fels, Hoch und fest Ob Wogen und Schwinden.

Es kommt und schwindet Steten Wechsels, Jede Sekunde Ein anderes Leben.

Sonnenkreise Wandelt die Erde, Mondumwandelt. Verschlungen geregelte Bahnen Rollt mit Kreisen um Kreise Das funkelnde All, Bis es vergeht, Mit dem letzten Stäubchen verweht. Und neue Welten, Meer der Zeit, Schaukelt die Woge: Staub umwölkt die Marke, Die eherne Marke, Die Gott gesetzt. Und wieder bildet Und immer wieder Die Gotteshand Dem ewigen Auge Vors unendliche Nichts Das Spielzeug der Welt, Kaum daß in kurzer Lücke Erhabener Öde Auf den Riesenspiegeln Du dich weiterergossen. Und alle die Welten Trägst du Auf atlantischem Rücken - Und wirst nicht müd?

Wann o wann Schäumst du hinauf, Verschäumest am Strande der Ruh?

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Illustration zu Ode an die Zeit

Interpretation

Das Gedicht "Ode an die Zeit" von Peter Hille ist eine tiefgründige und metaphorische Auseinandersetzung mit dem Konzept der Zeit. Hille personifiziert die Zeit als ein unaufhaltsames Meer, das ungestüm und unaufhaltsam dahinfließt. Die Zeit wird als ein gewaltiges, von Gott geschaffenes Element dargestellt, das Welten und Leben trägt und dabei unermüdlich und ewig ist. Hille beschreibt die Zeit als einen Strom, der von den "Fingern der Allmacht" ins Dasein gerufen wurde und seitdem Welten und Leben auf ihrer Welle trägt. Die Zeit wird als ein mächtiges, göttliches Werkzeug dargestellt, das die Schöpfung vorantreibt und dabei selbst ewig und unveränderlich bleibt. Das Gedicht betont die Vergänglichkeit des Lebens und der Welten, die alle der Zeit unterworfen sind und letztlich vergehen werden. Die abschließenden Zeilen des Gedichts werfen die Frage auf, ob die Zeit jemals zur Ruhe kommen wird. Hille fragt sich, wann die Zeit "hinauf schäumen" und "am Strande der Ruh" versäumen wird. Diese Frage deutet auf die Sehnsucht nach einem Ende des unaufhaltsamen Flusses der Zeit und der damit verbundenen Vergänglichkeit hin. Das Gedicht endet mit einer tiefen Reflexion über die Natur der Zeit und ihre Rolle in der Schöpfung und im Leben.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Welten, Meer der Zeit
Anapher
Sei mir gegrüßt, o Zeit, Gegrüßt du fließendes Meer, Sei gegrüßt, Du Meer der Zeit!
Enjambement
Sonnenkreise Wandelt die Erde, Mondumwandelt.
Hyperbel
Auf atlantischem Rücken
Metapher
Gegrüßt du fließendes Meer, Du Meer der Zeit!
Personifikation
Rollst du dahin, Fällst erzener Woge, Schnellst wie ein Pfeil
Vergleich
Schnellst wie ein Pfeil