O süßer Tod...

August von Platen

1834

O süßer Tod, der alle Menschen schrecket, Von mir empfingst du lauter Huldigungen: Wie hab ich brünstig oft nach dir gerungen, Nach deinem Schlummer, welchen nichts erwecket!

Ihr Schläfer ihr, von Erde zugedecket, Von ew′gen Wiegenliedern eingesungen, Habt ihr den Kelch des Lebens froh geschwungen, Der mir allein vielleicht wie Galle schmecket?

Auch euch, befürcht ich, hat die Welt betöret, Vereitelt wurden eure besten Taten, Und eure liebsten Hoffnungen zerstöret.

Drum selig Alle, die den Tod erbaten, Ihr Sehnen ward gestillt, ihr Flehn erhöret, Denn jedes Herz zerhackt zuletzt ein Spaten.

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Interpretation

Das Gedicht "O süßer Tod..." von August von Platen beschäftigt sich mit dem Thema des Todes als Erlösung und Sehnsucht. Der Sprecher richtet sich direkt an den Tod, den er als "süß" bezeichnet und dem er "lauter Huldigungen" entgegenbringt. Diese paradoxe Anrede deutet auf eine tiefe Sehnsucht nach dem Tod hin, die im Kontrast zur allgemeinen Furcht vor dem Tod steht. Der Sprecher beschreibt, wie er sich "brünstig" nach dem Tod gesehnt hat, nach dessen "Schlummer", aus dem nichts mehr erwacht. Die zweite Strophe richtet den Blick auf die Toten, die von der Erde bedeckt und von ewigen Wiegenliedern besungen sind. Der Sprecher fragt sich, ob diese Schläfer den Kelch des Lebens froh geschwungen haben, während er selbst vielleicht nur Galle daraus getrunken hat. Diese Frage deutet auf eine tiefe Unzufriedenheit mit dem Leben und eine Neidgefühls gegenüber den Toten hin. In der dritten Strophe erweitert der Sprecher seine Betrachtung auf alle Menschen und vermutet, dass auch sie von der Welt betört und ihre besten Taten vereitelt wurden. Ihre liebsten Hoffnungen wurden zerstört. Diese pessimistische Weltsicht führt in der letzten Strophe zu einer Art Trost: Alle, die den Tod erbeten haben, sind selig, denn ihr Sehnen wurde gestillt und ihr Flehen erhört. Der Tod wird als Erlösung von den Leiden des Lebens dargestellt, wobei der Spaten, der das Herz zerhackt, als Werkzeug des Todes symbolisiert.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

alliteration
Von ew′gen Wiegenliedern eingesungen
apostrophe
O süßer Tod, der alle Menschen schrecket
metapher
Denn jedes Herz zerhackt zuletzt ein Spaten
parallelismus
Vereitelt wurden eure besten Taten, Und eure liebsten Hoffnungen zerstöret
personifikation
O süßer Tod