O stille dies Verlangen

Emmanuel Geibel

1918

O stille dies Verlangen, Stille die süße Pein! Zu seligem Umfangen Lass den Geliebten ein! Schon liegt die Welt im Traume, Blühet die duft’ge Nacht; Der Mond im blauen Raume Hält für die Liebe Wacht. Wo zwei sich treu umfangen, Da gibt er den holdesten Schein. O stille dies Verlangen, Lass den Geliebten ein!

Du bist das süße Feuer, Das mir am Herzen zehrt; Lüfte, lüfte den Schleier, Der nun so lang mir wehrt! Lass mich vom rosigen Munde Küssen die Seele dir, Aus meines Busens Grunde Nimm meine Seele dafür - O stille dies Verlangen, Stille die süße Pein, Zu seligem Umfangen Lass den Geliebten ein!

Die goldnen Sterne grüßen So klar vom Himmelszelt, Es geht ein Wehn und Küssen Heimlich durch alle Welt, Die Blumen selber neigen Sehnsüchtig einander sich zu, Die Nachtigall singt in den Zweigen - Träume, liebe auch du! O stille dies Verlangen, Lass den Geliebten ein! Von Lieb’ und Traum umfangen Wollen wir selig sein.

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Illustration zu O stille dies Verlangen

Interpretation

Das Gedicht "O stille dies Verlangen" von Emmanuel Geibel thematisiert die Sehnsucht und das Verlangen nach der Geliebten. Der Sprecher bittet darum, dass sein Verlangen gestillt wird und er die Geliebte in seine Arme schließen darf. Die Welt scheint in einen traumhaften Zustand versunken zu sein, während der Mond über der Liebe wacht. Der Sprecher sehnt sich danach, die Geliebte zu küssen und ihre Seelen miteinander zu verbinden. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt die Geliebte als das süße Feuer, das am Herzen des Sprechers zehrt. Er bittet darum, dass der Schleier gelüftet wird, der sie voneinander trennt. Der Sprecher sehnt sich danach, die Seele der Geliebten zu küssen und seine eigene Seele dafür hinzugeben. Die Wiederholung der Bitte, das Verlangen zu stillen und die Geliebte einzulassen, unterstreicht die Intensität der Sehnsucht. Im letzten Teil des Gedichts wird die Umgebung als romantisch und traumhaft beschrieben. Die Sterne grüßen vom Himmel, ein Hauch von Küssen zieht durch die Welt und die Blumen neigen sich sehnsüchtig zueinander. Die Nachtigall singt in den Zweigen und der Sprecher bittet die Geliebte, ebenfalls zu träumen und zu lieben. Das Gedicht endet mit der Hoffnung, dass sie gemeinsam von Liebe und Traum umfangen selig sein werden.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
O stille dies Verlangen
Hyperbel
Küssen die Seele dir
Metapher
Von Lieb' und Traum umfangen
Personifikation
Die Blumen selber neigen / Sehnsüchtig einander sich zu