O meine müden Füße ihr müßt tanzen

Karl Georg Büchner

1813

O meine müden Füße ihr müßt tanzen In bunten Schuhen, Und möchtet lieber tief, tief Im Boden ruhen.

O meine heißen Wangen, ihr müsst glühen Im wilden Kosen, Und möchtet lieber blühen Zwei weiße Rosen.

O meine armen Augen, ihr müsst blitzen Im Strahl der Kerzen, Und lieber schlieft ihr aus im Dunkeln Von euren Schmerzen.

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Interpretation

Das Gedicht "O meine müden Füße ihr müßt tanzen" von Karl Georg Büchner beschreibt den Konflikt zwischen äußerer Erwartung und innerem Verlangen. Der Sprecher fordert verschiedene Körperteile auf, sich in einer gesellschaftlichen Veranstaltung zu beteiligen, obwohl diese lieber in Ruhe und Einsamkeit verharren würden. Im ersten Abschnitt werden die müden Füße aufgefordert, in bunten Schuhen zu tanzen, obwohl sie lieber tief im Boden ruhen möchten. Dies symbolisiert den Zwang zur gesellschaftlichen Teilhabe, trotz körperlicher und seelischer Erschöpfung. Der zweite Abschnitt thematisiert die heißen Wangen, die im wilden Kosen glühen sollen, obwohl sie lieber als zwei weiße Rosen erblühen würden. Dies könnte die Erwartung an leidenschaftliche Emotionen und äußere Aufmerksamkeit darstellen, die im Widerspruch zu einem Wunsch nach Reinheit und Schönheit stehen. Im letzten Abschnitt werden die armen Augen aufgefordert, im Strahl der Kerzen zu blitzen, obwohl sie lieber im Dunkeln vor ihren Schmerzen die Augen schließen würden. Dies verdeutlicht den Konflikt zwischen dem Zwang zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und dem Wunsch, sich vor emotionalen Schmerzen zu schützen. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein Gefühl der inneren Zerrissenheit und des Zwangs zur gesellschaftlichen Konformität, trotz eines tiefen Verlangens nach Ruhe und innerem Frieden.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
O meine müden Füße ihr müßt tanzen, O meine heißen Wangen, ihr müsst glühen, O meine armen Augen, ihr müsst blitzen
Kontrast
In bunten Schuhen / Im Boden ruhen, Im wilden Kosen / Zwei weiße Rosen, Im Strahl der Kerzen / Von euren Schmerzen
Metapher
Zwei weiße Rosen
Personifikation
O meine müden Füße ihr müßt tanzen, O meine heißen Wangen, ihr müsst glühen, O meine armen Augen, ihr müsst blitzen