O lass‘ mich küssen dein Gewand,
Du Einzige-Holde, Heilig-Reine,
Ich weiß: daß ich in dir nur fand
Der Liebe Glück, nach dem ich weine.
Entsühne mich vom irdischen Tand,
Ganz sei dein Fühlen auch das meine,
Lass‘ in der Liebe Wunderland
Uns träumen süß das Ewig-Eine.
Du giebst mir deine Zauberhand,
Tief unter uns stirbt das Gemeine –
Du führ’st mich an des Abgrunds Rand
Vorbei zum ewigen Sonnenscheine.
O lass mich küssen dein Gewand…
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „O lass mich küssen dein Gewand…“ von Wilhelm Arent ist eine innige Liebeserklärung, die sich an eine idealisierte, fast sakrale Geliebte richtet. Die zentrale Metapher ist die Verehrung der Frau als heilig und rein, wobei die Hingabe des Sprechers durch den Wunsch nach einem Kuss auf ihrem Gewand ausgedrückt wird. Dieser Akt der Demut symbolisiert eine tiefe Sehnsucht nach Verschmelzung und Ergebung in die Liebe, welche als Quelle des Glücks und der Erlösung gesehen wird. Die Sprache ist von religiösen Konnotationen geprägt, was die Idealisierung der Geliebten und die Verklärung der Liebe unterstreicht.
Die Sehnsucht nach Erlösung und die Abkehr vom „irdischen Tand“ sind weitere wichtige Themen. Der Sprecher bittet die Geliebte, ihn von den weltlichen Sünden zu befreien, was die Liebe als einen Weg zur Reinigung und zur Überwindung des Alltäglichen darstellt. Der Wunsch, dass ihr Fühlen das seine sei, unterstreicht das Streben nach Einheit und Harmonie, nach einer tiefen emotionalen Verbundenheit, die über das bloße irdische Dasein hinausgeht. Die Liebe wird hier als transformative Kraft gesehen, die den Sprecher von den Zwängen und Beschränkungen der Welt befreit.
Die Metapher des „Wunderlandes“ und des „ewigen Sonnenscheins“ deutet auf eine romantische Idealisierung der Liebe hin. Der Ort der Liebe wird als ein Reich der Träume und der Ewigkeit dargestellt, weit entfernt vom „Gemeinen“ der Welt. Der „Abgrund“ könnte für die Herausforderungen und Schwierigkeiten des Lebens stehen, die durch die Macht der Liebe überwunden werden. Die Geliebte wird zur Führerin, die den Sprecher aus der Dunkelheit zum Licht der Ewigkeit geleitet.
Arents Gedicht atmet eine tiefe Romantik und eine Sehnsucht nach einer idealisierten, transzendenten Liebe. Es ist eine Hommage an die geliebte Person, die zur Quelle von Glück, Erlösung und spiritueller Erhebung wird. Die Sprache ist pathetisch und von religiösen Motiven durchzogen, was die Bedeutung der Liebe als Weg zur Überwindung des Irdischen und zur Erlangung der Ewigkeit unterstreicht. Das Gedicht spiegelt somit die romantische Vorstellung wider, dass die Liebe eine transformative Kraft ist, die das Individuum zu höheren Sphären führen kann.
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