Nur Vergessen
1870Diese Wangen, diese bräunlich bleichen, Dieses dunkle, leichtgewellte Haar; Diese Lippen, diese tollkirschgleichen; Dieser Augen rabendunkles Paar; Diese Brauen, dicht und schwer gezogen; Dieser Wimpern nachtgefärbter Samt; Dieser Leib, so müd zurückgebogen; Diese Hände, weich und glutdurchflammt! -
Aus dem Herzen hast Du mir getrieben, Was es gut und stark und groß gemacht, Tot ist alles, nur ein krankes Lieben Zittert fäulnisfahl durch meine Nacht. Nun, so laß das irre Haupt mich pressen Tief ins duftdurchtränkte, weiche Haar, Wahnwitz oder Liebe - nur vergessen, Was ich bin und was ich war.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Nur Vergessen" von Felix Dörmann ist ein leidenschaftliches und melancholisches Werk, das die Qualen einer verlorenen Liebe beschreibt. Der Sprecher durchlebt eine tiefe emotionale Verzweiflung und sucht nach einem Weg, die Erinnerungen an die vergangene Beziehung loszulassen. Die intensive Beschreibung der einst geliebten Person und die drastische Darstellung des eigenen emotionalen Zustands verdeutlichen den Schmerz und die Sehnsucht des Sprechers. Das Gedicht beginnt mit einer detaillierten Beschreibung der geliebten Person, die durch ihre physischen Merkmale wie Wangen, Haar, Lippen, Augen, Brauen, Wimpern, Körper und Hände charakterisiert wird. Diese Beschreibung ist von einer sinnlichen Intensität geprägt, die die tiefe Anziehungskraft und die emotionale Bindung des Sprechers verdeutlicht. Die Verwendung von Adjektiven wie "bräunlich bleichen", "tollkirschgleichen" und "glutdurchflammt" verstärkt die lebendige und fast überwältigende Präsenz der geliebten Person im Gedächtnis des Sprechers. Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich der Sprecher der emotionalen Konsequenz dieser verlorenen Liebe zu. Er beschreibt, wie das Herz durch die Trennung geschwächt und entstellt wurde, wobei alles, was einst stark und gut war, nun tot ist. Nur ein krankes Lieben bleibt übrig, das in der Nacht zittert und fäulnisfahl ist. Dieses Bild vermittelt ein tiefes Gefühl von Verfall und Hoffnungslosigkeit, das den emotionalen Zustand des Sprechers widerspiegelt. Im letzten Versuch, mit dem Schmerz umzugehen, bittet der Sprecher darum, das "irre Haupt" in das weiche, duftdurchtränkte Haar der geliebten Person zu pressen. Ob als Wahnsinn oder als Liebe, das Ziel ist nur, zu vergessen, was er war und was er ist. Dieses Schlussbild verdeutlicht den verzweifelten Wunsch nach Erlösung von der Vergangenheit und dem Selbst, das durch die Erinnerungen gefangen gehalten wird. Das Gedicht endet mit einem Appell an die Vergessenheit als einzigen Ausweg aus dem emotionalen Leid.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Diese Wangen, diese bräunlich bleichen / Dieses dunkle, leichtgewellte Haar
- Hyperbel
- Diese Hände, weich und glutdurchflammt!
- Kontrast
- Wahnwitz oder Liebe - nur vergessen, / Was ich bin und was ich war.
- Metapher
- Tot ist alles, nur ein krankes Lieben / Zittert fäulnisfahl durch meine Nacht.
- Personifikation
- Was es gut und stark und groß gemacht