Nur Du allein
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Nur Du allein, Du schautest wie ich litt, Nur Du allein hast meiner Qual geglaubt, Du schirmtest die Gedanken mir im Haupt - Als Nacht mit Licht in meiner Seele stritt.
Nur Du allein, Du lieh′st mir Deine Hand, Als ich einst kam, geschmähet und bedroht - Als sich kein heimathlicher Heerd mir bot, Als ich allein auf weiter Erde stand….
Nur Du allein, Du hast mich nie betrübt, Seit Du erschaut, wie ich so tief verarmt - Nur Du allein hast Dich einst mein erbarmt, Hast mich beschützt - und hast mich nie geliebt…
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Sag′ nicht, ich soll Dich meiden Und nimmer sehn, Wollt′ ich Dich auch verlassen, Wohin sollt′ ich gehn? - Du weißt es ja, ich habe Keine Heimath dann - Kein Glück - und keine Stätte, Wo ich ruhen kann…
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Interpretation
Das Gedicht "Nur Du allein" von Ada Christen handelt von einer tiefen emotionalen Abhängigkeit und Dankbarkeit gegenüber einer Person, die in einer Zeit großer Not und Einsamkeit zur Stütze wurde. Die lyrische Ich-Figur beschreibt, wie diese Person als einzige ihre Qualen verstand und an sie glaubte, sie vor den inneren Kämpfen schützte und ihr in einer ausweglosen Situation die Hand reichte. Die Wiederholung des Satzes "Nur Du allein" unterstreicht die Einzigartigkeit dieser Beziehung und die tiefe Verbundenheit, die trotz fehlender romantischer Liebe besteht. Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich die Sprecherin direkt an diese Person und bittet sie, nicht zu verlangen, dass sie sich fernhalte oder sich trenne. Sie betont, dass sie ohne diese Person keine Heimat, kein Glück und keinen Ort zum Ausruhen habe. Die emotionale Abhängigkeit wird hier deutlich, da die Sprecherin ihre gesamte Existenz und ihr Wohlbefinden an die Anwesenheit dieser Person bindet. Die fehlende Liebe wird nicht als Mangel empfunden, sondern als ein akzeptierter Teil der Beziehung, der durch die tiefe Dankbarkeit und Verbundenheit überwogen wird. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine komplexe emotionale Dynamik, in der Dankbarkeit, Abhängigkeit und Akzeptanz eine zentrale Rolle spielen. Die lyrische Ich-Figur ist bereit, auf romantische Liebe zu verzichten, solange sie die Unterstützung und Anwesenheit dieser Person hat, die ihr in ihrer dunkelsten Stunde beigestanden hat.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Die Wiederholung von 'Nur Du allein' am Anfang der ersten drei Strophen
- Chiasmus
- Die Umkehrung in 'Hast mich beschützt - und hast mich nie geliebt' hebt den Kontrast hervor
- Hyperbel
- Die Übertreibung 'Als ich allein auf weiter Erde stand' betont die Einsamkeit
- Metapher
- Die Metapher 'als Nacht mit Licht in meiner Seele stritt' beschreibt den inneren Konflikt
- Parallelismus
- Die parallele Struktur in 'Keine Heimath dann - / Kein Glück - und keine Stätte' verstärkt die Aussage
- Personifikation
- Die Personifikation 'als Nacht mit Licht in meiner Seele stritt' gibt der Nacht menschliche Züge
- Rhetorische Frage
- Die Frage 'Wohin sollt′ ich gehn?' unterstreicht die Verzweiflung