Nun weh und dreimal weh

Robert Eduard Prutz

1816

Fünf neue Lieder auf den kläglichen und höchstbetrübenden Hingang des edlen Prinzen genannt Held Karneval zu Düsseldorf

Februar 1848

Als der Minister Bodelschwingh den Karneval zu Düsseldorf, nach mehr als zwanzigjährigem Bestehen, durch Ministerialreskript verboten hatte.

(Auszug)

Nun weh und dreimal weh, ihr Zecher, hinauf, hinab den grünen Rhein, nun werft in Scherben alle Becher und mischet Wasser in den Wein! Der liebste Fürst in unsern Tagen, der liebste mir, ich sag′ es frei, Held Karneval, der liegt erschlagen, erschlagen von der Polizei!

Wer in dem Glanz der goldnen Locken, wer sah so stolz, so froh darein? Wen läuteten die Rheinweinglocken so feierlich, so fröhlich ein? So recht nach Gottes Ebenbilde, ein König und ein Kind zugleich, wer war, wie er, so sanft und milde, wo war ein Joch, wie seins so weich?

Nicht Orden hatt′ er oder Wappen, er hatte Söldner nicht noch Heer: Die Narrengunst, die Schellenkappen, das war sein ganzes Militär. Und wer die meisten Becher leerte, der allerlustigste Patron, das war der dreimal Hochgeehrte, der Nächste war das seinem Thron.

Nun in der Blüte seiner Jahre hat ihn die Polizei umstrickt, nun einsam liegt er auf der Bahre, von einem Bodelschwingh erdrückt! Wir aber wolln die Gläser heben und rufen dennoch frank und frei: Der tote Karneval soll leben und pereat die Polizei!

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Illustration zu Nun weh und dreimal weh

Interpretation

Das Gedicht "Nun weh und dreimal weh" von Robert Eduard Prutz ist eine satirische Klage über das Verbot des Karnevals in Düsseldorf durch den Minister Bodelschwingh. Der Autor vergleicht den Karneval mit einem edlen Prinzen namens "Held Karneval", der von der Polizei "erschlagen" wurde. Das Gedicht beginnt mit einem Aufruf an die Zecher, ihre Becher zu zerschmettern und Wasser in den Wein zu mischen, als Zeichen der Trauer um den Verlust des Karnevals. Der Autor preist die Schönheit und den Frohsinn des Karnevals, der wie ein König und ein Kind zugleich war, sanft und milde. Er betont, dass der Karneval keine Orden oder Wappen hatte, sondern nur die Narrengunst und Schellenkappen als seine Waffen. Das Gedicht endet mit einem Aufruf, die Gläser zu erheben und den toten Karneval wieder zum Leben zu erwecken, während die Polizei verflucht wird. Das Gedicht ist eine Kritik an der autoritären Politik des Ministers Bodelschwingh, der den Karneval verboten hat. Prutz verwendet eine übertriebene Sprache und Bilder, um die Absurdität des Verbots zu verdeutlichen. Er vergleicht den Karneval mit einem edlen Prinzen, der von der Polizei getötet wurde, und ruft die Menschen auf, den Karneval wieder zum Leben zu erwecken. Das Gedicht ist ein Aufruf zur Freiheit und zum Widerstand gegen die Unterdrückung des Karnevals durch die Behörden. Das Gedicht ist auch ein Beispiel für die Rolle des Karnevals als Ausdruck von Freiheit und Kreativität in der Gesellschaft. Der Karneval ist ein Ort, an dem die Menschen ihre Hemmungen ablegen und sich in Kostümen und Masken verwandeln können. Er ist ein Ausdruck der Freude und des Frohsinns, der die Menschen zusammenbringt und ihnen eine Pause vom Alltag ermöglicht. Das Verbot des Karnevals durch die Behörden ist ein Angriff auf diese Freiheit und Kreativität, und das Gedicht ist ein Aufruf, sich dagegen zu wehren.

Schlüsselwörter

karneval polizei held düsseldorf bodelschwingh weh dreimal becher

Wortwolke

Wortwolke zu Nun weh und dreimal weh

Stilmittel

Alliteration
Nun weh und dreimal weh, ihr Zecher
Anapher
Nun weh und dreimal weh
Apostrophe
Nun weh und dreimal weh, ihr Zecher, hinauf, hinab den grünen Rhein
Hyperbel
Der liebste Fürst in unsren Tagen, der liebste mir, ich sag' es frei
Ironie
Nicht Orden hatt' er oder Wappen, er hatte Söldner nicht noch Heer
Kontrast
So recht nach Gottes Ebenbilde, ein König und ein Kind zugleich
Metapher
Held Karneval, der liegt erschlagen, erschlagen von der Polizei!
Personifikation
Wen läuteten die Rheinweinglocken so feierlich, so fröhlich ein?
Rhetorische Frage
Wer in dem Glanz der goldnen Locken, wer sah so stolz, so froh darein?
Symbolik
Die Narrengunst, die Schellenkappen, das war sein ganzes Militär